Heute ist der Tag des Ehrenamts – wie Mitarbeitende der WVV sich engagieren

Das Ehrenamt hat in Deutschland eine überragende Bedeutung: Viele Bereiche unserer Gesellschaft würden ohne das gemeinwohlorientierte Engagement der Menschen in unserem Land nicht funktionieren – ob beim Katastrophenschutz, in Sportvereinen, im kulturellen Sektor, beim Naturschutz oder zu sozialen und karitativen Zwecken. Aus gutem Grund wird daher seit knapp 40 Jahren auch in Deutschland immer am 5. Dezember der „Internationale Tag des Ehrenamts“ gefeiert.

An diesem Gedenk- und Aktionstag wird weltweit das freiwillige Engagement in der Gesellschaft geehrt. In Deutschland vergibt zum Beispiel an diesem Tag der Bundespräsident den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an besonders engagierte Personen.

Und ehrenamtlich Tätige gibt es in unserem Land sehr viele: Laut dem „Deutschen Freiwilligensurvey“, einer im Auftrag der Bundesregierung seit 1999 alle fünf Jahre durchgeführten Umfrage, engagierten sich im Jahr 2024 rund 27 Millionen Menschen ehrenamtlich. Das waren ungefähr 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Mit über 27.000 Befragten ist das „Freiwillgensurvey“ die größte Datenerhebung zu dem Thema und liefert somit ein umfassendes Bild der Entwicklung der Zivilgesellschaft. Auch bei uns in Würzburg und Umgebung gibt es nach Angaben der „Freiwilligenagentur Würzburg“, einer zentralen Anlauf- und Beratungsstelle für Fragen rund um das Ehrenamt und bürgerschaftliche Engagement, mehr als 250 Einsatzstellen in den Bereichen Soziales, Kultur, Natur, Sport und Gemeinwesen. Kein Wunder also, dass auch zahlreiche Mitarbeitende der WVV sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich betätigen. Drei davon möchten wir stellvertretend heute vorstellen.

Retten – Löschen – Bergen – Schützen

Da ist zum Beispiel Thomas Franz, der bei der Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) im Bereich Verkehrstelematik tätig ist. Er beschäftigt sich beruflich also mit den technischen Systemen rund um den Straßenbahnbetrieb, zum Beispiel dem „Integrierten Bordinformationssystem“ (IBIS). Seit 30 Jahren ist er bei der WVV – und genauso lange engagiert er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Erlabrunn. „Aktuell bin ich dort Gruppenführer und Zugführer und zudem als Ausbilder im Rahmen der modularen Truppausbildung tätig“, berichtet er „Bis letztes Jahr war ich auch stellvertretender Kommandant mit entsprechenden Aufgaben im organisatorischen Bereich und in der Leitung der Wehr.“ Aufgrund familiären Nachwuchses hat er diese zeitaufwendige Rolle inzwischen an zwei Nachfolger übergeben. Zuvor war er lange Zeit auch Jugendwart und somit für die Ausbildung junger Feuerwehrleute mitverantwortlich.

Thomas Franz bei der Freiwilligen Feuerwehr in Erlabrunn. // Foto: WVV.

Man kann sich ausmalen, dass all diese Funktionen viel Zeitaufwand erfordern. Da stellt sich die Frage: Warum opfert jemand freiwillig einen großen Teil seiner Freizeit für ein solches „Hobby“? „Als junger Mensch ist man natürlich erst mal von der Feuerwehr mit Blaulicht und so weiter fasziniert“, lacht Thomas Franz. „Aber wenn man aktiv dabei ist, tritt ein anderer Aspekt in den Vordergrund: das Retten, Löschen, Bergen und Schützen. Man möchte Menschen in Notsituationen das Gefühl geben, dass jemand für sie da ist, und aktiv werden, um weitere Schäden zu verhindern.“

Man möchte Menschen in Notsituationen das Gefühl geben, dass jemand für sie da ist.

Thomas Franz

Dabei sind Einsätze, bei denen ein Haus in Flammen steht, gottlob durch Fortschritte beim Brandschutz selten geworden. Aber es bleibt genug Arbeit übrig: Man denke nur an Unwetter, nach denen vollgelaufene Keller ausgepumpt oder Straßen von umgestürzten Bäumen befreit werden müssen. Oder an schwere Verkehrsunfälle, nach denen man Menschen in akuter Lebensgefahr aus Unfallfahrzeugen herausschneiden muss. „Vor ein paar Jahren hatten wir auch mal eine Wasserrettung, weil ein Boot an der Schleuse bei Erlabrunn gekentert war und die Insassen durch das wiederkehrende Wasser an der Trommel immer wieder in den Sog gezogen wurden und trotz ihrer Schwimmwesten zu ertrinken drohten“, erinnert sich der erfahrene Feuerwehrmann. „Zum Glück, haben wir alle Personen wohlbehalten aus dem Wasser bekommen. Wenn man solch eine Situation erlebt hat, wie der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit funktionierten und sich jeder auf den anderen verlassen konnte, dann ist das schon ein prägendes Erlebnis.“ Doch eines gibt Thomas Franz Interessierten zu bedenken: „Das Engagement bei der Feuerwehr gibt einem emotional viel zurück, besonders wenn man anderen Menschen helfen konnte. Aber man muss auch extreme Situationen psychisch verarbeiten können. Wenn ich einen Wettkampf verloren habe, gehe ich nach Hause und ärgere mich. Das war’s. Bei der Feuerwehr ist das was anderes, weil unter Umständen hier Menschenleben auf dem Spiel stehen. Das muss man einfach wissen.“

Aber es gibt ja eine große Bandbreite an möglichen ehrenamtlichen Tätigkeiten – da ist für jede und jeden etwas dabei, was den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entspricht.

Ein friedliches Zusammenleben fördern

Bei Cornelia Paasch ist das zum Beispiel die Arbeit mit Kindern in der sogenannten „Friedensschule“ der christlichen Laiengemeinschaft Sant’Egidio. Diese wurde 1968 in Rom gegründet und ist heute in über 70 Ländern der Welt vertreten. In diesem internationalen Netzwerk engagieren sich Männer und Frauen jeden Alters und aller Schichten ehrenamtlich und unentgeltlich, wobei das Hauptanliegen im Einsatz für die Armen und für den Frieden besteht. In Würzburg umfasst die Gemeinschaft rund 70 Aktive; mit dem erweiterten Kreis sind es etwa 400 Mitglieder. Seit 25 Jahren, als sie zum Studium nach Würzburg kam, ist Cornelia Paasch bei Sant’Egidio aktiv – und seit 15 Jahren bei der WVV tätig. Dort kümmert sie sich als Sachbearbeiterin in der Rechtsabteilung vor allem um das Vertragswesen.

Was hat man sich unter der Friedensschule vorzustellen? „Die Friedensschule ist ein Projekt – oder wie wir bei Sant’Egidio sagen: ein Dienst –, der Kindern im Grundschulalter vermitteln möchte, dass bei allen Unterschieden hinsichtlich Nationalität, Religion, Herkunft oder persönlicher Veranlagung ein Zusammenleben in Frieden möglich ist“, erläutert Cornelia Paasch. „Denn auch wenn wir in Deutschland seit vielen Jahren in Frieden leben, ist das ja keineswegs selbstverständlich, wie etwa das Beispiel der Ukraine zeigt. Natürlich gibt es diese Unterschiede, die benennen wir auch, aber das ist eben kein Grund, nicht friedlich zusammenzuleben.“ Gemeinsam mit fünf weiteren Mitgliedern von Sant’Egidio kümmert sich Cornelia Paasch in der Friedensschule um insgesamt 20 Kinder. Jeden Samstag trifft man sich im Stadtviertel Lindleinsmühle, wo viele Kinder mit Migrationshintergrund und aus eher benachteiligten Familien leben. Dabei liegt ein Schwerpunkt darauf, den Kindern über diverse Projekte und Aktivitäten immer wieder kindgerecht nahezubringen, wie viel Gemeinsamkeit es auch gibt und wie viel man gemeinsam erreichen kann. „Ein gutes Beispiel dafür ist gerade jetzt in der Adventszeit, dass wir mit den Kindern Plätzchen backen und Weihnachtskarten basteln, die wir an verschiedenen Ständen verkaufen“, erzählt Cornelia Paasch. „Das Geld, das wir dabei einnehmen, spenden wir für die Kinder einer Partner-Friedensschule in der Ukraine, so dass auch für diejenigen, die wirklich gar nichts haben, ein paar Weihnachtsgeschenke gekauft werden können.“

Die Zeit und Kraft, die Cornelia Paasch jede Woche für ihr ehrenamtliches Engagement aufwendet, hält sie jedenfalls für ausgesprochen gut investiert: „Man bekommt durch eine solche Tätigkeit immer viel mehr zurück als man selbst gibt“, sagt sie. „Das Gefühl, wenn man die Freude und Begeisterung der Kinder sieht, mit der sie in der Friedensschule mitmachen und die sie immer wieder auch sehr lebendig zum Ausdruck bringen – das kann man nicht mit Geld bezahlen. Das macht das Ehrenamt nicht nur für andere, sondern eben auch für einen selbst so wertvoll.“

Das Gefühl, wenn man die Freude und Begeisterung der Kinder sieht, kann man nicht mit Geld bezahlen.

Jungen Menschen Werte und Selbstvertrauen vermitteln

Ganz ähnlich sieht das Sonja Kohlhepp, die sich auf zwei verschiedenen Feldern ehrenamtlich engagiert: im kirchlichen Bereich und bei den Pfadfinderinnen. Sie sagt ohne Umschweife: „Für mich ist das keine Arbeit, sondern etwas, das mir viel Freude macht und Energie zurückgibt.“ Seit 2013 ist sie bei der Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH (TWV) als Chemielaborantin im Wasserlabor beschäftigt, wo sie chemische und mikrobiologische Untersuchungen durchführt und auch als Probenehmerin fungiert. Ehrenamtlich tätig ist sie zwar erst seit relativ kurzer Zeit, seit Anfang 2023, aber dafür gleich mehrfach. Und das kam so: „Ich war ursprünglich auf der Suche nach einem kirchlichen Angebot für meine Kinder und mich, also Familiengottesdiensten wie ich sie aus meiner Kindheit kannte“, erzählt Sonja Kohlhepp. „In diesem Zusammenhang wurde ich direkt angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, selbst in dem Bereich etwas zu tun. Da habe ich zu mir gesagt: Wenn ich etwas haben möchte, dann bin ich auch bereit, etwas dafür zu tun.“ Zwar hatte sie zunächst Bedenken, ob sie für eine solche Aufgabe geeignet wäre, weil sie über keine einschlägigen Erfahrungen verfügte. Aber nachdem sie auf entsprechende Fortbildungskurse aufmerksam geworden war, traute sie sich doch. Mittlerweile ist sie im sogenannten „Pastoralen Raum Würzburg links des Mains“, einem Zusammenschluss mehrerer katholischer Pfarrgemeinden, ehrenamtlich in der Organisation, Durchführung und Begleitung von verschiedenen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien tätig.

Die Suche nach Kursangeboten, um ihre Kompetenz in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu erhöhen, brachte sie auch mit der „Pfadfinderschaft Sankt Georg“ in Kontakt, einer Pfadfindergruppe nur für Mädchen. Nachdem sie dort an einer für Externe offenen Veranstaltung teilgenommen hatte, entdeckte sie in sich die begeisterte Pfadfinderin – seit September 2024 arbeitet sie dort als Gruppenleiterin mit. „Irgendwie hat sich eines aus dem anderen ergeben, ohne dass ich direkt danach gesucht hätte, es ist letztlich von allein zu mir gekommen“, lacht Sonja Kohlhepp. Und was ist der zentrale Ansporn für ihr „ehrenamtliches Doppelengagement“? „Zum einen die Begeisterung für die Werte aus dem christlichen Glauben, die ich Kindern und Jugendlichen nahebringen möchte“, sagt Sonja Kohlhepp. „Zum anderen möchte ich ihnen auch vermitteln, dass jeder Stärken hat und es viel wichtiger ist, auf die Stärken zu schauen, als immer auf die Schwächen – was ja in unserer Gesellschaft leider häufig der Fall ist. Das gilt besonders für Mädchen, die sich zum Beispiel in unserer Pfadfinderinnengruppe Dinge zutrauen, die sie in einer gemischten Gruppe wohl eher den Jungs überlassen würden. Mitgeben will ich: „Wenn man etwas erreichen möchte, dann liegt es am eigenen Einsatz, ob man seinem Ziel näherkommt.“

„Es gibt nichts Gutes – außer man tut es“

Sich für das Gemeinwohl, für sinnvolle und wertvolle Ziele, für eine bessere Welt einsetzen: Das kann man auf den verschiedensten Feldern und in unterschiedlichster Art und Weise tun – je nach den eigenen Kenntnissen, Stärken, Talenten und Möglichkeiten. Institutionen wie beispielsweise die „Freiwilligenagentur Würzburg“ bieten vielfältige Informationen und Beratung an für alle, die sich ehrenamtlich betätigen möchten, aber vielleicht noch nicht das für sie Passende gefunden haben. Vielleicht ist der heutige „Internationale Tag des Ehrenamts“ ja auch für Sie ein Anlass, sich zu trauen und den Schritt zu einem solchen Engagement zu machen!

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