Doch halt! Auch wenn das subjektiv als angenehm empfunden würde, wäre es ein Zustand des ewigen Stillstands. Warum das nicht wirklich wünschenswert ist, erfährt man im Gespräch mit Isabella Hochrein, die seit gut einem Jahr bei der WVV die Abteilung „Umsetzungssteuerung Hoch- und Tiefbau (TD-U)“ leitet.
Herausforderungen, die ohne Bagger nicht zu bewältigen sind
„Natürlich freut sich niemand über eine Baustelle vor der eigenen Haustür oder im eigenen Wohnviertel – das ist uns völlig klar und das verstehen wir gut“, versichert die Abteilungsleiterin, die nach dem Studium der Geoinformatik und Vermessung unter anderem im Tiefbauamt der Stadt Würzburg tätig war. In ihrer jetzigen Position bei der WVV ist sie verantwortlich für das Thema „Baustellenmanagement und Baustellenkommunikation“. Und in diesem Bereich gibt es einen schnell wachsenden Bedarf. Denn Würzburg steht wie alle größeren Städte vor einer Vielzahl anspruchsvoller Aufgaben im Zusammenhang mit dem dringend notwendigen, verstärkten Umwelt- und Klimaschutz: Da ist zum Beispiel die „Wärmewende“, die unter anderem eine Ausdehnung des Fernwärmenetzes bedingt. Für die „Stromwende“ müssen die Stromversorgungsnetze ausgebaut werden. Und ein wichtiger Beitrag zur „Mobilitätswende“ ist die Erweiterung der Straßenbahnlinien in Würzburg.
Auch jenseits der „Energiewende“ fehlt es nicht an Herausforderungen: Als Beispiel sei hier nur die Instandhaltung des Trinkwassernetzes genannt. In Deutschland erreichen heute viele ältere Wasserleitungen aufgrund der begrenzten Beständigkeit der Rohre das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer. „Wenn wir also die Wasserleitungen nicht sanieren, kommt das Wasser irgendwann aus der Straße, aber nicht mehr aus dem Hahn“, erläutert Isabella Hochrein die Problematik. „Und oberirdische Stromleitungen in der Innenstadt zu verlegen, kann für uns in Würzburg natürlich auch nicht die Lösung sein. Schon gar nicht bei den Fernwärmeleitungen“ Es führt also kein Weg daran vorbei: In vielen Fällen muss „gebuddelt“ werden!
Auf den Blickwinkel kommt es an
Isabella Hochrein hat es sich deshalb bei ihren Vorträgen und sonstigen Anlässen zur Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt zur Gewohnheit gemacht, auf einen ganz zentralen Sachverhalt hinzuweisen:
Wo gebaut wird, entsteht Zukunft.
Isabella Hochrein
„Ohne Bautätigkeit gäbe es in unserer Stadt keine Fortschritte bei der Infrastruktur, wir könnten über kurz oder lang nicht mehr in einem modernen, zukunftsfähigen Würzburg leben. Unsere Baustellen sind dazu da, um Würzburg voranzubringen. Und das durchaus mit Erfolg.“
Mit diesem Versuch, die Menschen zu einem Perspektivenwechsel einzuladen, hat sie auch schon gute Erfahrungen gemacht: „Ich erlebe bei meinen Vorträgen oft, dass es zu einem Aha-Effekt kommt und die Leute zugestehen, dass sie die Sache aus diesem Blickwinkel bislang noch nicht betrachtet haben“, berichtet sie. Und an diesem Bewusstseinswandel möchte sie weiter intensiv arbeiten.
Kommunikation ist wichtig – das Handeln ebenso
Man belässt es bei der WVV aber nicht dabei, den Bürgerinnen und Bürgern die Hintergründe rund um die Würzburger Baustellen zu vermitteln. Man tut auch Einiges, um die Menschen so gut wie irgend möglich von Beeinträchtigungen durch Bautätigkeiten zu entlasten sowie ihnen konkrete Hilfsmittel zur Orientierung an die Hand zu geben. Das beginnt bereits beim Baustellenmanagement – einem der beiden Schwerpunkte der Arbeit von Isabella Hochrein und ihrer Abteilung, die aktuell noch zwei Mitarbeitende umfasst. Der Abteilung obliegt es, interne Bauabläufe konsequent zu optimieren und alle Informationen zu den Bauprojekten und Bauplanungen der einzelnen Konzerngesellschaften – vor allem der Stadtwerke Würzburg, des Netzbetreibers „Mainfranken Netze GmbH“ (MFN) und der „Würzburger Straßenbahn GmbH“ (WSB) – digital „übereinander zu legen“, damit eine noch bessere Abstimmung untereinander möglich wird.
Unsere Aufgabe ist es, für den Überblick zu sorgen, wo Bauprojekte räumlich und zeitlich nah beieinander liegen, um hier eine koordinierte Umsetzung sowie einen möglichst reibungslosen und geplanten Bauablauf möglich zu machen. Sowohl konzern intern, aber auch mit der Stadt Würzburg und unseren Versorgungsgemeinden. Dadurch lässt sich das Ausmaß der Beeinträchtigungen für die Anwohner erheblich reduzieren.
Isabella Hochrein
Diesem Zweck dient unter anderem ein interner „Baustellenatlas“, in dem alle Baustellendaten und geplanten Projekte grafisch aufbereitet und somit auf einen Blick zu erfassen sind. Isabella Hochreins Aufgabe ist zudem, schwierige Abstimmungen zu moderieren und Abstimmungsprozesse zu optimieren. „Denn nur gemeinsam – mit allen anderen Gemeinden und Kommunen – bringen wir Würzburg und unsere Versorgungsgemeinden voran“, betont sie.
Transparent informieren und den Menschen Orientierung geben
Doch zurück zum Thema Baustellenkommunikation – dem anderen Schwerpunkt der Abteilung TD-U: Der erwähnte Baustellenatlas ist in einer „abgespeckten“ Version auch extern für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt zugänglich.
„Wir haben uns dabei entschieden, nicht jede noch so kleine Baustelle im Stadtgebiet aufzunehmen, sondern lediglich die größeren in der Innenstadt und solche, durch die es zu großen verkehrstechnischen Beeinträchtigungen kommt“, erläutert Isabella Hochrein. „Andere Städte wie etwa München setzen an der Stelle eher auf Vollständigkeit. Aber das hat seinen Preis: Es gibt dann sehr viele Punkte auf der Karte und man verliert schnell den Überblick. In der internen Version des Baustellenatlas, die von unseren Projektmanagern und Monteuren genutzt wird, brauchen wir natürlich alle Detailinformationen zu jeder Baustelle.
Aber in der externen Version steht konsequent die Nutzerfreundlichkeit im Vordergrund.“ So kann man beispielsweise zu den Baumaßnahmen auf der Juliuspromenade dem Baustellenatlas der WVV entnehmen, von wann bis wann die Bauzeit dauert, wie die aktuelle Verkehrsführung ist und mit welchen Einschränkungen man dort zu rechnen hat.
Über den Link: baustellenatlas.wvv.de gelangt man direkt zu der Baustellenübersicht der WVV.
Zu diesen Fakten gelangt man auch über einen QR-Code, der neuerdings auf den Baustellenschildern angebracht ist und zur Baustelleninternetseite der WVV leitet. Die neuen Baustellenschilder der WVV bieten im Übrigen auch deutlich mehr Informationen als früher – zum Beispiel, wer dort konkret der Bauherr ist und was dort genau geschieht. „Wir haben dazu schon viel positives Feedback bekommen“, erzählt Isabella Hochrein, „und auch unsere Mitarbeitenden vor Ort berichten, dass es seitdem weniger kritische Rückfragen zu den Baustellen gibt.“
Übrigens: Auch andere bauen im Stadtgebiet. Wer alle wichtigen Baustellen in Würzburg sehen möchte, kann dazu über den Geostadtplan der Stadt Würzburg gehen.
Die Motivation: Noch besser werden und etwas bewegen
Isabella Hochrein und ihr Team arbeiten also intensiv daran, die Beeinträchtigungen der Menschen in Würzburg durch Baustellen der WVV möglichst gering zu halten. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen WVV, Stadt Würzburg und weiteren Behörden. Indem man für eine effiziente, nachhaltige und gebündelte Umsetzung von Baumaßnahmen sorgt. Und nicht zuletzt mithilfe eines klaren Kommunikationskonzepts, zu dem eine zentrale Info-Plattform wie der Baustellenatlas ebenso gehört wie transparente Informationen auf den Baustellen sowie Dialogformate wie Bürgerversammlungen, um die Ideen und Bedürfnisse der Würzburger und Würzburgerinnen frühzeitig in die Planungen des Unternehmens integrieren zu können.
Dass Baustellen immer lästig sind – daran wird sich nichts ändern, das ist auch Isabella Hochrein völlig klar. Aber dass sie mit ihrer anspruchsvollen Aufgabe in einem Bereich, der nicht unbedingt auf Anhieb positiv besetzt ist, schrittweise Verbesserungen auf unterschiedlichen Ebenen erreichen kann, das motiviert sie: Das Thema Baustellen beschäftigt nun mal viele Menschen in unserer Stadt“, weiß sie aus Erfahrung. „Und ich glaube, dass es hier noch viel Potenzial gibt, das wir ausschöpfen können. Wir können zum einen bei der Umsetzung von Baumaßnahmen noch besser werden.“
Wir können Verständnis für die Notwendigkeiten und Ziele von Baumaßnahmen wecken, indem wir die Menschen transparent informieren und mitnehmen.
Isabella Hochrein
„Unser Team kann hier einiges bewegen – und das motiviert mich!“, ist Isabella Hochrein überzeugt.