Dichtung und Wahrheit
Menschen wie Felix Makulik und Daniel Herbert können über solche Klischees gewiss souverän schmunzeln. Denn in ihrem Job heißt es: Gelassen bleiben, immer kühlen Kopf bewahren! Sie sind nämlich ausgebildete und erfahrene – ja, eben nicht: „Bademeister“, sondern „Schwimmmeister“ beziehungsweise „Fachangestellte für den Bäderbetrieb“. So lautet die offizielle Bezeichnung. Ein Beruf, der eher wenig mit den Vorstellungen von Goldkettchen, Muskelpaketen, Rutschenaufsicht und Lautsprecherdurchsagen zu tun hat. Dafür aber umso mehr mit Verantwortung, ständiger Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft sowie körperlicher Fitness und Kommunikationsgeschick. Oder wie es bei „Dota“ heißt: „Auf ihn ist Verlass und das beweist er / Er ist der Bademeister.“ Folgen Sie uns also, liebe Leserin, lieber Leser, auf eine kleine Reise durch die Welt des Badebetriebs, bei der wir mit ein paar Klischeevorstellungen aufräumen und Ihnen ein realistisches Bild vom Tätigkeitsfeld der „Menschen am Beckenrand“ vermitteln möchten.
Ein vielseitiger Ausbildungsberuf
Beginnen wir also mit der Berufsbezeichnung: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass unserer Tätigkeit ein anerkannter Ausbildungsberuf zugrunde liegt“, sagt Felix Makulik, der seine Ausbildung vor über 20 Jahren gemacht hat und heute als „Gruppenleiter Bäderbetrieb“ bei der WVV für den Betrieb des Nautilands und des Dallenbergbads verantwortlich ist. In den Wintermonaten auch für das Sandermare und die Eisbahn. „Denn wir sind eben nicht nur Rettungsschwimmer, die für die Sicherheit unserer Badegäste im Wasser sorgen. Wir benötigen außerdem technisches Know-how und müssen uns mit den rechtlichen Grundlagen unseres Jobs auskennen.“ So gehört zu den Aufgabengebieten eines/einer Fachangestellten für den Bäderbetrieb beispielsweise auch die Überwachung der Wasserqualität und der technischen Anlagen eines Bades: Welche Pumpe hat welche Funktion? Wie hoch muss und darf der Chlorgehalt des Wassers sein und wie steht das im Verhältnis zum ph-Wert, der den Säuregehalt des Wassers angibt? Auch mit solchen Themen müssen sie sich auskennen. Darüber hinaus pflegen und warten sie zum Beispiel Sport- und Spielgeräte und sorgen für Sauberkeit und Sicherheit in Umkleidekabinen, in den Duschen sowie auf den zur Badeanstalt gehörenden Freiflächen.
Schlichter, Tröster, Retter sein – und nie den Badebetrieb aus dem Blick verlieren
Eine weitere Rolle, die man nicht hoch genug bewerten kann, ist die als Ansprechperson bei den unterschiedlichsten kleineren und größeren „zwischenmenschlichen Unstimmigkeiten“, die in einem meist gut gefüllten Schwimmbad unausweichlich auftreten. „Da ist man schon manchmal als Schlichter oder Tröster gefragt oder muss auch mal eine klare Ansage machen, wenn Badegäste sich daneben benehmen“, betont Daniel Herbert, der seit fünf Jahren bei der WVV und vor allem im Dallenbergbad im Einsatz ist. „Und man muss sich auch dann Respekt verschaffen können, wenn solche Badegäste vielleicht doppelt so groß und breit sind wie man selbst“, lacht er. „Gleichzeitig müssen wir aber auch noch bei 38 Grad einen kühlen Kopf bewahren und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen beweisen, die vielleicht ein wenig erhitzt sind und deshalb emotional reagieren.“ Felix Makulik, der selbst viele Jahre Dienst als Schwimmmeister am Beckenrand verrichtet hat, sieht das ganz ähnlich: „Unsere Badegäste verbringen wenige Stunden in unserem Bad und wollen sich in dieser Zeit wohlfühlen“, betont er. „Und dieses Erlebnis soll nicht durch ungelöste Konflikte getrübt werden. Man muss also in unserem Job schon jemand sein, der gern mit Menschen redet und auch den Smalltalk beherrscht“, ist er überzeugt. „Und man muss multitaskingfähig sein.“ Denn Smalltalk hin oder her: Der Blick des Schwimmmeisters – oder der Schwimmmeisterin! – muss dabei immer auf den Badebetrieb gerichtet bleiben, um sicherzustellen, dass keinem was passiert.
Die Ausbildung gibt die Chance zum Reifen
Solche eher menschlichen Qualitäten und Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, Kontaktfähigkeit, Kommunikationsgeschick und eine gute Portion Selbstbewusstsein kann man nur bedingt in der Ausbildung vermitteln. Dennoch sollte sich niemand von dieser Aufzählung abschrecken lassen, wie Daniel Herbert betont, der mit seinen 22 Jahren zu den jüngsten Kollegen im Team zählt: „Man ist ja drei Jahre lang in der Ausbildung und entwickelt sich in dieser Zeit weiter, auch durch Unterstützung seitens der Erfahreneren im Team, die man immer um Rat fragen kann“, gibt er zu bedenken. „Ich selbst war anfangs auch ein wenig schüchtern und nervös, aber man lernt in diesem Job eben auch im Umgang mit Menschen einiges dazu.“
Und was man im Hinblick auf die eingangs erwähnter Klischeevorstellungen vom muskelbepackten „Bademeister“ mit Goldkettchen betonen sollte: Dieser Beruf ist ohne weiteres auch für Frauen geeignet! Um noch einmal aus dem Loblied von Dota Kehr zu zitieren: „Und auch sie, von der ich ebenso begeistert bin / Die Bademeisterin / Sie kann alles genauso gut, das ist wie es scheint / Nur, dass sie sich nicht so gut reimt. / Sie kann Herzdruckmassage machen / Sie zeigt dir die Kiste mit den Fundsachen / Sie rettet vielleicht dein Leben…“. Und das Goldkettchen? – Nun ja, ob männlich oder weiblich – wer auf einen Rettungseinsatz vorbereitet sein muss, wird sich hüten, eine Halskette zu tragen. Denn Ertrinkende klammern sich aus Panik instinktiv an alles, was sie zu fassen bekommen. Eine Halskette wäre in diesem Fall ein äußerst gefährliches Schmuckstück, das zu schweren Schnitt- oder Würgeverletzungen führen könnte. Zudem ist in öffentlichen Bädern das Tragen solchen Schmucks für die Rettungsschwimmer/innen auch aus hygienischen Gründen untersagt.
Der digitale Wandel macht sich bemerkbar
Frage an den „alten Hasen“ Felix Makulik: Was hat sich in den 21 Jahren, die er schon im hiesigen Bäderbetrieb tätig ist, an seiner Tätigkeit und am Verhalten der Erholungssuchenden in Würzburg verändert? „Auf jeden Fall hat die Digitalisierung auf allen Seiten ihre Spuren hinterlassen“, resümiert er. „Das hat für uns im Bäderbetrieb durchaus Vorteile – etwa bei der Gebäudesteuerung und der Kontrolle der Wasserqualität. Da ist heute alles elektronisch überwacht, so dass wir viel schneller auf etwaige Störungen aufmerksam werden.“ Er verhehlt jedoch nicht, dass durch die fortschreitende Digitalisierung unserer Welt auch manches an seinem Job schwieriger geworden ist. Zum einen, weil man als Schwimmmeister, der ja keine Elektrofachausbildung hat, kleinere Störungen oft nicht mehr selbst beheben kann, sondern dafür einen Spezialisten mit Digitalkenntnissen benötigt. Zum anderen, weil die Aufsichtspflichten dadurch noch anspruchsvoller geworden sind: „Smartphones sind heutzutage auch im Schwimmbad allgegenwärtig. Mitunter lassen sich manche Gäste dadurch ablenken und verlieren schon auch mal ihre Kleinen aus dem Blick“, erzählt Felix Makulik. „Umso besser müssen wir aufpassen.“ Und Daniel Herbert ergänzt: „Auch dass man ein Smartphone als Kamera nutzen kann, erfordert von uns eine gewisse Aufmerksamkeit. Denn andere Personen ohne ihre Zustimmung zu fotografieren oder zu filmen ist im Bad wegen des Persönlichkeitsschutzes natürlich nicht erlaubt, was aber nicht jeder weiß. Insofern müssen wir hier manchmal Aufklärungsarbeit leisten oder auch mal in einem Konflikt vermitteln.“ Zum Glück hält sich die Häufigkeit solcher Situationen in Grenzen.
Das Dallenbergbad – ein Besuchermagnet wie eh und je
Eine weitere Veränderung ist erwähnenswert – vor allem im Hinblick auf den 70. Geburtstag des Dallenbergbades, der dieser Tage mit Aktionen wie einer Ausstellung im Historischen Archiv der WVV und einem kleinen Gewinnspiel begangen wird: „Fünfstellige Besucherzahlen, wie man sie etwa im Jahrhundertsommer 2003 an manchen Tagen im Dalle hatte, werden wir wohl nie wieder erreichen“, meint Felix Makulik. „Da der Main – anders als in so manchem früheren Jahrzehnt – heutzutage recht sauberes Wasser führt und an vielen Stellen in der Umgebung angenehme Badebedingungen bietet, gehen halt manche Leute lieber dorthin als ins Schwimmbad, wo man Eintritt zahlen muss und nicht den eigenen Kasten Bier mitbringen kann“, schmunzelt er. Dafür verzichtet man auf die Sicherheit und Hygiene, die ein öffentliches Bad unter der Aufsicht von ausgebildeten Fachangestellten für den Bäderbetrieb bietet. Jedenfalls gibt es bezüglich der Besucherzahlen im „Dalle“ eine bemerkenswerte Parallele: In der ersten Badesaison 1956 lag der Besucherrekord an einem Tag bei 7.300 Badegästen, insgesamt zählte man während der Saison knapp 90.000 Besucher. 70 Jahre später sind es laut Felix Makulik an guten Tagen ebenfalls wieder um die 7.000 und pro Saison um die 100.000 Menschen, die den Weg in das nach wie vor höchst beliebte Bad finden.
Für Abwechslung und Spaß ist gesorgt
Zum Schluss soll eine weitere Kontinuität nicht unerwähnt bleiben:
In den Würzburger Bädern sind Menschen tätig, die bei allem Engagement und Pflichtgefühl auch Spaß an ihrer Arbeit haben.
„Als Gruppenleiter für den Bäderbetrieb bin ich zwar heute in erster Linie mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt, aber phasenweise bin ich auch noch in der Schwimmhalle im Einsatz und genieße das sehr“, bekennt etwa Felix Makulik. „Schließlich habe ich den Beruf des Schwimmmeisters ergriffen, weil er mir Spaß macht. Wäre das nicht so, wäre ich nicht 21 Jahre lang dabeigeblieben.“ Und Kollege Daniel Herbert ergänzt: „Es ist vor allem die Vielfältigkeit, die mir an diesem Beruf Spaß macht. Natürlich hast du jeden Tag im Schwimmbad deine regulären Arbeiten zu erledigen. Aber oft kommt es dann anders. Es muss hier was repariert werden oder dort braucht ein Badegast deine Hilfe – zum Beispiel, wenn ein Kind von einer Wespe gestochen wurde oder ein Pflaster über einer kleinen Schnittwunde angebracht werden muss. So ist immer für Abwechslung gesorgt. Und den Menschen diese Unterstützung zu geben, macht auch ein bisschen glücklicher. Ich jedenfalls habe mich schon bei meinem Praktikum im heimischen Freibad in diesen Beruf verliebt.“
Wer nun Lust bekommen hat, das Team von Felix Makulik und Daniel Herbert zu verstärken und eine Ausbildung zum/zur Fachangestellten für den Bäderbetrieb (m/w/d) zu beginnen, dem/der sei gesagt: Ihr seid in guter Gesellschaft! Aktuell gibt es bei der WVV acht Azubis in diesem Bereich. Wer erst mal „reinschnuppern“ möchte, könnte sich für ein Praktikum in einem der Bäder bewerben. Und wer schon sicher ist, diesen Beruf ergreifen zu wollen, findet die aktuelle Stellenausschreibung hier.