Wieviel Strom brauchen wir in Würzburg in 20 Jahren?

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Ein Druck auf den Schalter und schon geht das Licht an. Strom ist im Alltag allgegenwärtig. Aber was muss geschehen, dass elektrische Energie auch in Zukunft ausreichend zur Verfügung steht?

Dazu muss man erst einmal wissen, wie sich die Nachfrage entwickelt. Für die kommenden 20 Jahren werden hier zwei Faktoren eine Rolle spielen, bei denen die meisten nicht unbedingt an Strom denken: Heizungen und Autos.

Jemand hält eine Mehrfachsteckdose fest und steckt ein Ladekabel ein
Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Küchengeräte und Ladegeräte: Die Anzahl an Elektrogeräten und -zubehör in deutschen Haushalten steigt in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung. Mehrfachsteckdosen sind kaum noch lang genug, um all die Geräte unterzubringen, die Woche für Woche genutzt werden. // Foto: Adobe Stock, Proxima Studio

Ein Blick in ein Neubauviertel von Würzburg an einem Winterabend im Jahr 2030: Fast gleichzeitig kommen die Bewohner nach Hause und schließen ihre Elektroautos an die eigene Wallbox zum Laden an. Und zu dieser Zeit springen in jedem Haus die Wärmepumpen an, um die Räume auf Temperatur zu halten und heißes Wasser zur Verfügung zu stellen. Licht an, Handyladekabel angestöpselt, das Abendessen wird ins Rohr des Elektroofens geschoben, der Fernseher läuft, die Waschmaschine bereitet währenddessen eine Ladung für den Trockner vor. Der Stromverbrauch des Viertels schnellt in die Höhe.

Dieser Blick in eine nur fünf Jahre entfernte Zukunft zeigt, wie stark allein der Strombedarf des privaten Sektors steigt. Auch in Büros und Gewerbebetrieben nimmt die Elektrifizierung zu, genau wie in der Industrie.

Deutschland: Bedarf steigt um ein bis zwei Drittel

Die Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey zeichnet in ihrem „Zukunftspfad Stromnachfrage“ verschiedene Szenarien, wie sich der Bedarf an Elektrizität in der Bundesrepublik in den kommenden Jahren verändern könnte – je nachdem, ob sich das aktuelle Tempo der Dekarbonisierung fortsetzt oder noch Fahrt aufnimmt, um die Klimaziele im Jahr 2045 zu erreichen. So oder so: In beiden Szenarien wird der Strombedarf steigen. Von 477 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2022 auf 635 TWh oder gar 805 TWh im Jahr 2035. Das ist ein Wachstum von zwei bzw. vier Prozent pro Jahr.

Würzburg: Wachstum nach Rückgang

In Würzburg ist der Endenergieverbrauch zwischen 2019 und 2022 um 13 Prozent gesunken. Die WVV führt dies jedoch auf Effekte durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurück. Der Verbrauch hat sich jetzt wieder stabilisiert.

Über die kommenden 20 Jahre rechnet auch die Mainfranken Netze GmbH mit einem deutlichen Anstieg des Bedarfs – und zwar um das Zweieinhalbfache. Die Netzausbauplanung des Netzbetreibers basiert auf Prognosen für Erzeugung und Verbrauch, die alle zwei Jahre veröffentlicht werden. Darin flossen auch überregionale Studien, zum Beispiel für die Entwicklung bei Wärmepumpen sowie Ladepunkten und Schnellladesäulen für die Elektromobilität ein.

Für Würzburg prognostizierter Anstieg des Stromverbrauchs

Netzwirksame Leistung in Megawatt202320332045
Wärmepumpen1779199
Ladepunkte1289223
Industrie/Großverbraucher145070
Bestandslast136136136
Gesamt179354628

Quelle: Netzausbauplan der Mainfranken Netze GmbH

Fernwärme hilft Strom sparen

Dabei wird der Anstieg bei Wärmepumpen voraussichtlich geringer ausfallen als in anderen Kommunen. In einem typischen Haushalt entfallen rund 80 Prozent des Energiebedarfs auf die Heizung und die Warmwasserbereitung. Hier hat Würzburg einen Vorteil gegenüber vielen anderen Städten in Deutschland. Denn Würzburg setzt seit mehr als 70 Jahren auf Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung, bei der Wärme und Strom in einem Prozess erzeugt wird. Das ist deutlich effizienter als der getrennte Betrieb von Heizkesseln und Kraftwerken. Zudem senkt die Fernwärme den künftigen Strombedarf beim Kunden.

Energie für heute und morgen
Interview mit WVV-Geschäftsführer Armin Lewetz: Lesen Sie hier, warum die Energiezukunft in Würzburg im Wesentlichen mit der Wärmewende zusammenhängt, wo Würzburg heute in Sachen Energieversorgung steht und wohin die Reise künftig geht. // Foto: WVV

Dort wo es keine Fernwärme gibt, werden zum Großteil Wärmepumpen die jetzigen Erdgas- und Ölheizungen ersetzen. Hackschnitzel- oder Pelletheizungen dürften die Ausnahme bleiben. Schon heute erhalten immer mehr der in Deutschland neu gebauten Wohngebäude Wärmepumpen. Im Jahr 2024 wurden bereits zwei Drittel der knapp 76.100 fertiggestellten Wohngebäude in Deutschland mit dieser effizienten Heiztechnologie ausgestattet – bei den Ein- und Zweifamilienhäusern sind es sogar drei Viertel.

Computer & Co. fressen am meisten Strom

Im Haushalt selbst verbraucht heute die Informationstechnik – also TV, Computer, Spielekonsolen, Telefon, Internet und so weiter – den meisten Strom: im Durchschnitt rund 28 Prozent. Der Anteil von Kühl- und Gefriergeräten, die sich in fast jedem Haushalt finden und die vor 20 Jahren noch den Löwenanteil verschlungen hatten, beträgt heute nur noch elf Prozent. Auf Waschen und Trocknen entfallen 14, auf Licht 13 und aufs Kochen neun Prozent.

Strom-Hunger der Elektroautos

Stark zugenommen hat in den letzten Jahren die Zahl der Elektroautos. Deutschlandweit waren zum 1. Januar 2025 circa 1,65 Millionen (batterie-)elektrische Pkw zugelassen. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Anzahl damit mehr als verfünffacht. Waren im Jahr 2017 im Stadtgebiet Würzburg 67 reine E-Autos angemeldet, stieg deren Zahl gut fünf Jahre später schon auf 1.860. Der Anteil der Stromer macht in der Stadt aktuell vier Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes aus.

Einen Schub gab es in diesem Jahr. Nach Angaben der Förderbank KfW stieg der deutschlandweite Anteil reiner Elektroautos und Plug-in-Hybride an den Neuzulassungen im zweiten Quartal 2025 auf 29 Prozent. Im ersten Quartal lag der Anteil noch unter 20 Prozent. Die WVV geht davon aus, dass es 2030 knapp 18.000 Elektroautos in Würzburg geben wird. Und sie alle brauchen Strom.

Doch nicht nur die Nachfrage nach Strom wird in Würzburg in den kommenden 20 Jahren steigen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Photovoltaik-Anlagen und andere Quellen für erneuerbare Energien ihren Strom in die Netze einspeisen. Was das bedeutet und was die Mainfranken Netze GmbH heute bereits dafür tut und wie Sie sich als Bürger/in an Projekten wie dem Umbau des Umspannwerks Dürrbachau beteiligen können, lesen Sie hier.

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