Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser: So unterstützt die WVV Hausverwalter in Sachen E-Mobilität

Seit Dezember 2020 haben Wohnungseigentümer und auch Mieter das Recht auf eine Ladesäule in der Tiefgarage oder auf dem Grundstück des Gebäudes. Foto: WVV

Neue Gesetze schreiben den Einbau von Ladesäulen für E-Autos bei Mehrfamilienhäusern vor. Dadurch steigt das Interesse an intelligenten Ladelösungen. Die WVV erprobt derzeit in fünf Pilotprojekten Konzepte, die künftig als Blaupause für Wohnimmobilien dienen sollen. Noch im Laufe des Jahres will der Energieversorger ein Rundum-sorglos-Paket für Hausverwaltungen schnüren.

Das Jahr 2020 ging als Rekordjahr in die Geschichte der Elektromobilität ein. Nie zuvor wurden in Deutschland so viele rein batteriebetriebene Elektroautos neu zugelassen: Ihre Zahl hat sich mit 194.000 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Noch stärker war der Zuwachs bei den Plug-in-Hybriden, also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor – mit einem Plus von 342 Prozent. Fast jedes siebte bundesweit neu zugelassene Fahrzeug fährt inzwischen zumindest teilweise mit einem Elektroantrieb (batterie-elektrisch, Plug-in-Hybrid oder Brennstoffzelle).

Einer der Hauptgründe: die Förderung von Elektroautos, die von der Bundesregierung bis 2025 verlängert und deutlich erhöht wurde. Gleichzeitig wächst die Modellpalette – und die Akkus reichen mittlerweile oft auch für längere Touren. Diesem Aufwärtstrend deutlich hinterher hinkt der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Um den Fahrkomfort für E-Mobilisten langfristig zu verbessern, gilt es hier, neue Lösungen für den privaten und den öffentlichen Raum zu entwickeln.

Es mangelt an Lademöglichkeiten

Denn angesichts von Förderungen und neuer Modelle dürfte die Zahl der Elektroautos auf Deutschlands Straßen weiter steigen. „Die E-Mobilität ist in der Mitte der mobilen Gesellschaft angekommen“, sagt Richard Damm, Präsident des Kraftfahrt-Bundesamts. Hält der Trend bei den Neuzulassungen an, könne das von der Bundesregierung formulierte Ziel von sieben bis zehn Millionen zugelassenen Elektrofahrzeugen bis 2030 erreicht werden, prognostiziert Damm.

Das Jahr 2020 markiere einen Wendepunkt für die Akzeptanz der Elektromobilität in Deutschland, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Bis 2025 rechnet das CAM damit, dass mehr als ein Viertel der Neuzulassungen elektrisch sein wird.

Doch es mangelt an Ladesäulen für die vielen neuen Elektroautos. Bislang war der Kauf eines E-Mobils daher vor allem für Eigenheimbesitzer mit einer Wallbox in der Garage attraktiv. Bewohner von Mehrfamilienhäusern waren dagegen auf die raren Ladestationen am Straßenrand oder auf Parkplätzen angewiesen.

13,5 % aller in Deutschland neu zugelassenen Autos haben inzwischen einen elektrischen Antrieb.

Recht auf Ladesäulen

Das ändert sich mit dem am 1. Dezember 2020 in Kraft getretenen Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG). Wohnungseigentümer und auch Mieter haben künftig einen Anspruch darauf, in der Tiefgarage oder auf dem Grundstück des Hauses eine Ladesäule zu installieren. Für den Einbau bedarf es nicht mehr der Zustimmung aller Wohnungseigentümer: Sind mehr als zwei Drittel der Stimmen auf der Eigentümerversammlung und mindestens 50 Prozent der Miteigentumsanteile an der Immobilie dafür, müssen alle Eigentümer die Maßnahme bezahlen. Bei einer einfachen Mehrheit müssen sich die Eigentümer an den Kosten beteiligen, die dafür gestimmt haben. Auch Mieter haben in Zukunft ein Recht darauf, auf eigene Kosten eine Wallbox zu installieren.

Außerdem schreibt das neue Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) Lademöglichkeiten in Neubauten und bei Umbauten vor. Wer ein neues Wohngebäude mit mehr als fünf Stellplätzen baut, muss künftig jeden Stellplatz mit Schutzrohren für Elektrokabel ausstatten. Bei einer größeren Renovierung bestehender Wohngebäude mit mehr als zehn Stellplätzen benötigen sogar alle Stellplätze eine solche Leitungsinfrastruktur. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss mit Bußgeldern rechnen.

Möglich sind auch Quartierlösungen, bei denen Bauherren oder Immobilieneigentümer, deren Gebäude in räumlichem Zusammenhang stehen, die Gesetzesanforderungen gemeinsam erfüllen. So können Leitungsinfrastruktur oder Ladepunkte zentral für ein Viertel errichtet werden.

Ladelösungen für Würzburger Wohnviertel

Um die gesetzlichen Regelungen umzusetzen und so die Elektromobilität in der Region voran zu bringen, unterstützt die WVV Hausverwaltungen. „Es gibt ein reges Interesse an intelligenten Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser und Wohnquartiere“, sagt Thomas Zipperer vom Vertrieb Individualkunden der WVV. Derzeit erarbeitet der Energieversorger in fünf Pilotprojekten in Würzburg gemeinsam mit Ingenieurbüros Ladekonzepte für die Wohnungswirtschaft. Sie sollen als Blaupause für künftige Projekte dienen. Im Stadtteil Hubland etwa installiert die WVV in einer Tiefgarage mit 120 Stellplätzen zunächst vier Ladesäulen. Langfristig soll sogar die Hälfte aller Stellplätze dort eine Wallbox erhalten. Auch in dem ehemaligen Militärhospital WEG Mariannhillstraße, das zu einem Quartier mit Eigentumswohnungen umgebaut wurde, wird die Freiparkanlage mit Ladesäulen ausgestattet: Jeder der 140 Stellplätze bekommt eine Wallbox.

„Es gibt ein reges Interesse an intelligenten Ladelösungen für Mehrfamilienhäuser und Wohnquartiere.“

Thomas Zipperer, Vertrieb Individualkunden der WVV

Die Experten prüfen dazu im Vorfeld die vorhandene Elektrik und messen das Verbrauchsverhalten der Nutzer sowie die Lastgänge, das heißt die Auslastung der Hausleitungen über 24 Stunden verteilt. Auf dieser Basis entwickeln sie eine maßgeschneiderte Lösung.

Nicht nur Hausbesitzer schaffen sich eine Wallbox an – auch immer mehr Wohnungseigentümer und Mieter installieren die Stromtankstelle für zu Hause. Foto: WVV

Cleveres Lastmanagement

Eine wichtige Rolle beim Einbau der Ladepunkte spiele das Lastmanagement, sagt Thomas Zipperer. „Die Netzanschlüsse sind bislang ausschließlich für den Wohnungs- und Haushaltsbedarf ausgelegt.“ Nun aber erhöht sich der Strombedarf durch die Ladestationen. Überall neue Hausanschlüsse herzustellen, die dieser Belastung gewachsen sind, wäre jedoch unwirtschaftlich. „Unser Ziel ist es, das vorhandene Stromnetz optimal auszulasten – mit einem intelligenten Lastmanagement, bei dem die Ladestationen untereinander Informationen austauschen“, erklärt Thomas Zipperer. „Auf diese Weise wird die vorhandene Hauselektronik nicht überbelastet und Ladevorgänge können in die Nacht verlegt werden, wenn wenig Strom verbraucht wird.“

Die Grundladung eines Elektroautos dauert im Durchschnitt etwa zehn Stunden. Da die meisten Wohnungseigentümer ihren Wagen nach der Arbeit zwischen 17 und 20 Uhr an die Ladesäulen anschließen, ist er morgens ab 6 Uhr aufgeladen und abfahrbereit.

Was aber, wenn mit der Zeit immer mehr Ladesäulen auf dem Parkplatz oder in der Garage hinzukommen? Stößt die Ladeleistung da nicht an ihre Grenzen? „Das intelligente Lastmanagement sorgt dafür, dass die vorhandene Leistung gleichmäßig verteilt wird und ermöglicht so einen störungsfreien Betrieb der Hauselektronik“, weiß Thomas Zipperer. So könnten in einem Haus mit 12 bis 14 Parteien alle Elektroautos über Nacht aufgeladen werden – selbst wenn jeder zweite Bewohner ein E-Mobil fährt. Individuell installierte Ladesäulen, deren Ladevorgänge nicht aufeinander abgestimmt sind, bringen Hausanschlüsse dagegen schnell an ihre Grenzen. Dann nachzubessern oder nachzurüsten, kann teuer werden.

„Die E-Mobilität ist in der Mitte der mobilen Gesellschaft angekommen.“

Richard Damm, Präsident des Kraftfahrt-Bundesamts

Rundum-sorglos-Paket für Hausverwalter

Die Bewohner der fünf Immobilien, in denen die WVV unterschiedliche Ladelösungen erprobt, müssen sich keine Sorgen über das Aufladen machen: Noch im Laufe des Jahres werden sie fitgemacht für die elektromobile Zukunft. „Wir erwarten bis Ende des zweiten Quartals belastbare Zahlen und Messdaten zu den Pilotprojekten“, sagt Thomas Zipperer. Nach der Freigabe durch den Netzbetreiber kann das intelligente Lastmanagement dann an den Stromzählern installiert werden. Im Anschluss will die WVV ein Rundum-sorglos-Angebot für Hausverwaltungen schnüren – inklusive Planung, Lastmanagement, Leitungsinstallation und individueller Abrechnung über Handy, EC-Karten oder Ladekarten für Flottenkunden.

Um auf das steigende Interesse an intelligenten Ladelösungen vorbereitet zu sein, hat sich die WVV personell verstärkt. Zwei Mitarbeiter arbeiten in Vollzeit, zwei in Teilzeit am Thema Elektromobilität, mittelfristig sollen es sogar vier Vollzeitkräfte werden. „In den nächsten Jahren wird sich auf dem Feld eine Menge tun. Da wollen wir gewappnet sein“, sagt Thomas Zipperer.

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