Update: Geothermie für ein nachhaltiges Würzburg? Antworten aus der Luft

Welche Rolle kann Geothermie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Würzburg spielen: Die WVV Energie möchte dem Potenzial auf den Grund gehen – der erste Schritt: Messflüge.

Update vom 18.12.2025

In den vergangenen Monaten nahmen Geologinnen und Geologen die aufwendige physikalische und mathematische Auswertung der Messdaten vor, um ein Modell des Untergrunds zu erstellen. Ziel war es zu prüfen, ob geologische Gegebenheiten vorliegen, die einer tiefengeothermischen Exploration entgegenstehen könnten. Das Ergebnis: Ein hydrothermisches Potenzial ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in nennenswertem Umfang vorhanden. Ein tiefengeothermisches Potenzial hingegen ist grundsätzlich wahrscheinlich gegeben, und es konnten keine geologischen Hinweise identifiziert werden, die auf ein erhöhtes Explorationsrisiko hindeuten.
Allerdings wäre eine Bohrtiefe von etwa fünf Kilometern erforderlich, um eine verlässliche Wärmeversorgung zu ermöglichen. Aufgrund der damit verbundenen hohen Investitionskosten ergibt sich folgendes Bild: Erst bei einer mindestens doppelt so hohen Wärmeleistung, wie sie in Würzburg sinnvoll in das mögliche Wärmeerzeugerportfolio aus unter anderem Müllheizkraftwerk, Abwasserwärmepumpe und Mainwasser hätte eingebunden werden können, könnte die Tiefengeothermie einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber diesen Optionen darstellen. Die Überflüge waren dennoch keineswegs umsonst:

Durch die Messflüge konnten zahlreiche wissenschaftliche Daten über den Untergrund unserer Region gewonnen werden. Dabei gab es auch eine kleine Überraschung: Würzburg steht geologisch gesehen auf einem Sockel. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Erkenntnisse ist geplant.

Andreas Schliemann, Projektleiter bei der WVV Energie

Update vom 14.03.2024

Die „Geothermie-Flüge“ sind seit dem 14. März 2024 abgeschlossen.

Originalbeitrag:

Welche Rolle kann Geothermie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Würzburg spielen? Damit beschäftigt sich aktuell die WVV Energie und organisierte dafür spezielle Messflüge über Würzburg und der Region, um das geothermische Potential zu untersuchen. Zwölf Tage lang zog das Spezialflugzeug während seines Überflugs interessierte Blicke auf sich.

Propeller - Flugzeug Typ Basler BT-67 (DC-3) in rot-blau und weiß gestreift der Firma Bell Geospace auf dem Landeplatz in Giebelstadt
Dieses Spezialflugzeug war in letzter Zeit mit einer niedrigen Flughöhe von nur 300 Metern in Würzburg und der Region zu beobachten. Foto: WVV

Rund zwölf Tage, ein Flieger und eine Route von rund 2.100 Kilometern – um Würzburg für eine umweltschonendere Zukunft auszurüsten, gilt es, neue Wärmekonzepte zu entwickeln. Die WVV Energie ließ vom 3. bis 14. März das geothermische Potenzial der Region prüfen. Denn Geothermie ist eine klimafreundliche Art der Wärmeerzeugung und kann auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft eine Rolle spielen. Das Geothermieverfahren nutzt Erdwärme für die Wärmegewinnung. Dabei bringt ein Medium, zum Beispiel Wasser, die natürliche Wärme aus dem Untergrund an die Oberfläche. Diese erneuerbare Energie lässt sich dann zum Heizen einsetzen – und zwar wetterunabhängig.

Lässt sich Erdwärme in Würzburg nutzen?

„Die Wärme aus der Tiefe lässt sich nicht überall nutzen. Voraussetzung dafür sind bestimmte geophysikalische Gegebenheiten. So ist beispielsweise eine spezielle Gesteinsbeschaffenheit notwendig, um dies zu ermöglichen“, erläutert Dr. Andreas Schliemann, bei der WVV Energie zuständig für dieses Projekt. Ob die Region die Voraussetzungen erfüllt, prüfte die WVV Energie nun in Kooperation mit der N-ERGIE AG Nürnberg. Dafür wurde nach einer europaweiten Ausschreibung die schottische Firma Bell Geospace beauftragt, Messflüge mit der Maschine Basler DC3-TP67 – eine modifizierte Version der Douglas DC-3 durchzuführen, um die entsprechenden geophysikalischen Daten zu sammeln. Diese Überprüfungsmethode ist schnell und effizient, eignet sich auch für schwieriges Terrain und hinterlässt keine Flurschäden.

Auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien in Würzburg

Das Flugzeug überflog dabei ein rechteckiges Gebiet in Gitterform. Als Basis diente der Flugplatz Giebelstadt. Eckpunkte der Route waren Hammelburg, Wertheim, Creglingen und Geiselwind. Die niedrige Flughöhe von 300 Metern machte die Arbeit beobachtbar. Schon bald werden die beauftragten Geolog/innen die Ergebnisse der gravimetrischen und magnetometrischen Untersuchungen der Würzburger Region in Form einer Karte mit Dichteunterschieden des Untergrunds liefern können.

Aktuelle Informationen, Zeitpläne und die Live-Position des Flugzeugs sind auf der WVV-Webseite und Facebook bzw. Instagram aufrufbar gewesen.

Karte des Fluggebiets mit den Eckpunkten Hammelburg, Wertheim, Creglingen und Geiselwind, über dem die Basler DC3-TP67 in der Luft kreiste. // Foto: WVV

Wärmeleitplanung Würzburg

In Sachen Wärmewende gilt Würzburg bereits als Vorreiter. 2022 hat die Stadt Würzburg ihr integriertes Klimaschutzkonzept und ihren Energieleitplan verabschiedet. Grundlegender Bestandteil davon ist eine nachhaltige Wärmeplanung. Um sie zu erreichen, hat die WVV Energie den Auftrag zügig angepackt: Im Sommer 2023 startete das Projekt „Wärmeleitplanung“, das unter anderem auch die Bestimmung der Erweiterungsgebiete für das Fernwärmenetz Würzburgs umfasst. Genaue Ergebnisse liegen voraussichtlich Ende 2024 vor.

Hier erfahren Sie mehr zur kommunalen Wärmeplanung in Würzburg.

gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Das Projekt der Wärmeleitplanung wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.

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