Noch vor wenigen Jahren war Trinkwasser hierzulande kein Thema. Praktisch überall gab es in Deutschland genug – zu jeder Zeit in bester Qualität. Daran hat sich glücklicherweise nichts Grundlegendes geändert. Doch inzwischen macht sich der Klimawandel massiv bei der Trinkwassergewinnung bemerkbar. Vor allem in Gebieten, in denen ohnehin relativ wenig Regen fällt. Wie zum Beispiel in Unterfranken – schon immer eine der trockensten Regionen Deutschlands. Die Expertinnen und Experten der Trinkwasserversorgung Würzburg (TWV), einem Tochterunternehmen der WVV, haben diese Entwicklung auf dem Schirm und unternehmen alles Nötige, um die Trinkwasserversorgung für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.
Stabile Basis für die Trinkwasserversorgung
Die Trinkwasserversorgung in Würzburg blickt auf eine lange Tradition zurück und ist eine echte Erfolgsgeschichte. Denn seit mehr als 125 Jahren gelingt es zu jeder Zeit, den Bedarf zu decken und Wasser in bester Qualität zu liefern. „Um das zu gewährleisten, haben unsere Vorgänger all das aufgebaut, was es für die Versorgung von inzwischen gut 130.000 Menschen braucht“, erklärt Frank Krönlein, Abteilungsleiter der TWV.
Doch was jetzt noch bestens funktioniert, könnte in nicht allzu ferner Zukunft an seine Grenzen stoßen. Denn der Klimawandel stellt die TWV – wie andere Wasserversorger auch – vor eine echte Herausforderung. „Schon heute beobachten wir ein konstantes Absinken der Grundwasserstände an unseren Messstellen“, gibt Frank Krönlein zu bedenken. In den vergangenen gut 100 Jahren hat sich die durchschnittliche Quellschüttung in Zell um etwa zehn Prozent reduziert. Seit 2010 fällt der Rückgang besonders stark aus.
Mit Extremen umgehen
Der Grund sind die immer häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse. Hier spielen natürlich die bisweilen langen Trockenperioden in einer ohnehin schon niederschlagsarmen Region die entscheidende Rolle. Aber auch die zunehmende Zahl der Unwetter mit sintflutartigem Regen trägt dazu bei. Denn in diesen Fällen kann der Boden die große Menge des in kurzer Zeit niedergehenden Wassers nicht aufnehmen. Es fließt oberflächlich ab und gelangt folglich erst gar nicht ins Grundwasser.
„Um auch ist Zukunft zuverlässig genug Wasser in bester Qualität liefern zu können, passen wir unsere Gewinnung, aber auch wichtige Anlagen wie Hochbehälter sukzessive an die sich verändernden Bedingungen an“, erklärt Frank Krönlein. Heißt konkret: Die TWV sichert zum einen die Trinkwassergewinnung, etwa indem sie bestehende Trinkwasserschutzgebiete erhält oder sogar eine Erweiterung beantragt – wie zum Beispiel für den Zeller Stollen.
Zum anderen prüfen und dokumentieren die Expertinnen und Experten sehr genau, wann wie viel Wasser gebraucht wird. Schon heute wird nämlich nicht immer genug Trinkwasser gewonnen, um den jeweils aktuellen Bedarf zu decken. Das ist auch gar nicht nötig. Denn um dieses vorübergehende Defizit auszugleichen, betreibt die TWV mehrere Hochbehälter, in denen sie das permanent nachlaufende Trinkwasser zwischenlagert. „Solche Speicher werden künftig eine noch wichtigere Rolle spielen“, prognostiziert Frank Krönlein. Folglich beschäftigen sich er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter u.a. genau mit dieser Thematik.
Mehr Geld für die Trinkwassersicherung
Inzwischen hat auch die Landespolitik das Thema Trinkwasser auf der Agenda. Tatsächlich wird Bayern wohl im Juli 2026 den Wassercent einführen – eine Lenkungsabgabe, die Bürgerinnen und Bürger von 13 anderen Bundesländern schon länger zahlen. Lediglich Hessen und Thüringen verzichten auch weiterhin darauf. Konkret werden dann 10 Cent pro Kubikmeter zusätzlich fällig. Diese Mehreinnahmen sind zweckgebunden. Sie fließen komplett in den Schutz der Wasserressourcen und die nachhaltige Bewirtschaftung von Gewässern. Für einen durchschnittlichen vierköpfigen Haushalt bedeutet der Wassercent Mehrkosten in Höhe von rund 20 € pro Jahr.
Auf lange Zeit ausgelegt
Geht es um die Trinkwasserversorgung, ist bewusstes Handeln ein durchgängiges Prinzip. Bei seiner Gewinnung liegt dieser Aspekt klar auf der Hand: Wer mehr Grundwasser entnimmt als entsteht, bekommt früher oder später ein ernstes Problem. Auch bei den Anlagen kommen energieeffiziente Technik, optimierte Wasserprozesse und eine ressourcenschonender Betrieb zum Einsatz. Etwa mit den Wasserwerken Zell und Mergentheimer Straße. Deren Gebäude stammen aus der Gründerzeit, erfüllen immer noch ihren Zweck und sind obendrein schön anzuschauen. Auch der in Klinker gemauerte Zeller Stollen, der ca. 500 Meter in das Gestein reicht, ist über hundert Jahre alt und heute noch voll funktionsfähig: Hier läuft nach wie vor genug reines Quellwasser zusammen, um 50 % des Bedarfs der Würzburgerinnen und Würzburger zu decken.
Selbstverständlich hat die TWV die Förder- und Aufbereitungstechnik hinter den hübschen, historischen Fassaden längst auf den neuesten Stand gebracht. Aber auch bei diesen Modernisierungen gehen die Wasserfachleute der TWV immer mit Sinn und Verstand vor und modernisieren eben nicht um jeden Preis. Beispiel Pumpen: Inzwischen setzt die TWV auf Hocheffizienzpumpen, die mit extrem wenig Strom auskommen. Bevor sie jedoch eine alte Pumpe ersetzen, prüfen sie zunächst, ob es nicht auch mit einer Wartung und dem Austausch einiger Komponenten getan ist. „Die Herstellung neuer Pumpen verbraucht ebenfalls Ressourcen. Wir versuchen deshalb immer, den besten Kompromiss zwischen Effizienz und Zuverlässigkeit auf der einen und einer möglichst langen Nutzung auf der anderen Seite zu finden“, beschreibt Frank Krönlein das Vorgehen. Spannendes Detail: Dabei finden sie meist die wirtschaftlichste Lösung.
Fünf Quellen, sechs Gewinnungsstätten, drei Wasserwerke
Das Würzburger Trinkwasser stammt im Wesentlichen aus fünf Quellen, mehreren Brunnen und aus dem Main. Zum besseren Verständnis: Als Quellen definieren Fachleute Stellen, an denen Wasser aus eigener Kraft aus dem Untergrund an die Oberfläche kommt. Ein Brunnen ist immer ein Bauwerk, das bis in einen Grundwasserleiter reicht und durch das Wasser nach oben gepumpt wird. Bei diesen beiden Formen der Wassergewinnung nutzt die TWV natürliche Reinigungsvorgänge. Denn sowohl das Quell-, als auch das Brunnenwasser haben einen langen Weg durch filternde Bodenschichten hinter sich.

Die Kraft der Natur kommt ebenfalls bei der Aufbereitung des Mainwassers zum Einsatz. „Wir entnehmen dem Fluss Wasser und lassen es in einem speziell dafür vorgesehenen Bereich versickern“, beschreibt Frank Krönlein das Vorgehen. Anschließend wird das versickerte, schon sehr saubere Wasser gesammelt und im Wasserwerk Mergentheimer Straße weiter zu hochwertigem Trinkwasser aufbereitet. „In puncto Qualität steht das so gewonnene Trinkwasser dem aus Quellen oder Brunnen in nichts nach“, versichert Frank Krönlein.
Hier gibt es viele weitere Infos zu den Quellen, Brunnen und Wasserwerken.
Höchste Wasserqualität für Würzburg
Kein anderes Lebensmittel unterliegt so strengen Kontrollen wie Trinkwasser. Darüber hinaus gelten hierzulande scharfe Grenzwerte für die im Wasser gelösten Inhaltsstoffe – sprich die Qualität. Hier überlässt die TWV nichts dem Zufall. Monatlich überprüfen die Spezialistinnen und Spezialisten im eigenen, akkreditierten Labor das Trinkwasser auf zig verschiedene Parameter. „Pro Jahr kommen wir auf rund 7.000 Analysen“, verrät Frank Krönlein. Deutlich mehr, als die Trinkwasserverordnung vorschreibt.

Die bei diesen Checks bestimmten Werte veröffentlicht die TWV natürlich – mit dem, gemäß der Trinkwasserverordnung geforderten, jährlichen Rundschreiben und stets aktuell auf ihrer Webseite.
Einer dieser Parameter ist die Wasserhärte. Sie wird durch den Gehalt von gelöstem Calcium und Magnesium definiert. Hartes Wasser enthält viel, weiches wenig dieser beiden Mineralien. Wichtig zu wissen: Je weicher das Wasser, desto weniger Waschmittel ist nötig. Welche Härte das Wasser in welchem Teil von Würzburg hat, veröffentlicht die TWV natürlich ebenfalls in ihren Analyseberichten.
Schöner Erfolg
Im Rahmen dieser zahlreichen Kontrollen fielen Anfang der 1990er-Jahre spürbar steigende Nitratwerte auf. Anlass für die Verantwortlichen bei der TWV, zu handeln. Mit Erfolg: In engen Absprachen mit den Landwirten gelang es, den Stickstoffeintrag auf den Äckern zu reduzieren. Und damit den Eintrag von Nitrat im Grundwasser. Inzwischen liegen die Werte überall im Versorgungsgebiet deutlich unter dem zulässigen Maximum. „Wir haben den Beweis angetreten, dass Grundwasserschutz und Landwirtschaft durchaus Hand in Hand gehen können“, freut sich Frank Krönlein und fügt hinzu: „Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen und sämtliche Beteiligten offen und ehrlich miteinander sprechen, findet sich üblicherweise eine Lösung.“ Ein für alle Würzburgerinnen und Würzburger heute noch sichtbarer Teil dieser Lösung ist das in einigen Würzburger Bäckereien erhältliche Wasserschutzbrot. Hier erfahren Sie, bei welchen Bäckereien es Gebäcke mit Wasserschutzweizen gibt.
Nicht nur Qualität, sondern auch Quantität
Auch Industriebetriebe können einen negativen Einfluss auf die Trinkwasserversorgung haben. Deshalb engagieren sich die Fachleute der TWV derzeit gegen den geplanten Bau eines Gipswerks im planungsreifen Wasserschutzgebiet Zeller Quellen. „Für die Trinkwassergewinnung birgt dieser Betrieb deutlich größere Risiken, als das vorgelegte Gutachten vermuten lässt“, kritisiert Frank Krönlein das Projekt. Tatsächlich könnten große Teile des Wassers, das aktuell noch im Zeller Stollen zusammenläuft, durch unterirdische Spalten in das neue Bergwerk abfließen. „In den von uns kalkulierten Szenarien ginge uns durch das Einsickern in die Gipsgrube bis zu ein Fünftel des Wassers verloren“, rechnet der Experte vor. Folglich legen die Verantwortlichen bei der TWV alles in die Waagschale, um den Bau zu verhindern. Denn trotz der wirtschaftlichen Argumente, die für die Ansiedelung des Gipswerks in der Region sprechen, bleibt die Tatsache bestehen, dass Trinkwasser schwerer zu ersetzen ist als Baumaterial.
Hier finden Sie die vollständige Stellungnahme der TWV zum geplanten Gipsbergwerk bei Altertheim.
Sparen – das Gebot der nächsten Jahrzehnte
Gleich welche Anstrengungen die TWV unternimmt – der sorgsame Umgang mit wertvollem Trinkwasser wird dauerhaft eine zentrale Rolle spielen. Die gute Nachricht: Wasser sparen ist nicht schwer. Schon ein paar einfache Verhaltensänderungen genügen, um spürbare Erfolg zu erzielen. Und um Wasserhähne oder Spülkästen wassersparend auszurüsten, braucht es keine großen Investitionen. Was wirklich hilft, um den Wasserverbrauch im Alltag ohne großen Aufwand und ohne Komfortverlust zu reduzieren, hat die WVV hier zusammengestellt.
So transparent wie das Wasser selbst
Die TWV gewährt Interessierten einen Einblick in die Trinkwassergewinnung und -versorgung, etwa in Form der beliebten jährlichen WVV Trinkwasserwanderung. Sie findet das nächste Mal am 13. Juni 2026 statt und führt wieder durch die Natur zu einem der Wasserwerke, welches u.a. für die Würzburger Bürgerinnen und Bürger Trinkwasser herstellt. Unterwegs und natürlich im Wasserwerk selbst erklären Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TWV, was es mit der Gewinnung, der Aufbereitung und der Verteilung von Trinkwasser auf sich hat. Weitere Infos und der Link zum Anmeldeformular folgen im nächsten Frühjahr – zuallererst im WVV Newsletter. Jetzt abonnieren!