Viel mehr als nur ein Güterumschlagplatz

Natürlich wissen die allermeisten Menschen in der Region, dass Würzburg über einen Hafen verfügt. Tatsächlich handelt es sich dabei sogar um den viertgrößten Binnenhäfen Bayerns. Doch womit beschäftigt sich das neunköpfige Team der Würzburger Hafen GmbH (WHG) eigentlich tagtäglich? Welche Leistungen bietet die WHG ihren Kunden an? Die Antwort auf diese Fragen gibt ein Blick hinter die Kulissen und ein Gespräch mit zwei der Menschen, die für die WHG tätig sind.

Ein leistungsfähiger Hafen mit langer Tradition

Seit über 50 Jahren gibt es die im Jahr 1969 gegründete Würzburger Hafen GmbH schon. Da sammelt sich einiges an Erfahrung beim Bau, Betrieb und Verwalten eines Hafens an. Der Würzburger Hafen selbst ist allerdings mehr als doppelt so alt: Er wurde bereits im Jahr 1904 eröffnet. Der „Alte Hafen“, der auch heute noch der Passagierschifffahrt dient, wurde sogar bereits im 19. Jahrhundert angelegt. Zusammen mit dem im Jahr 1940 in Betrieb genommenen Neuen Hafen sowie dem Flusshafen und der Mainlände bildet er sozusagen das „vierblättrige Kleeblatt“ des Würzburger Hafenareals.

Drohnenaufnahme des Neuen Hafenareals. Foto: WVV

Insgesamt stehen dort sechs Hafenkräne und sechs weitere Verladeeinrichtungen zur Verfügung, um Güter unterschiedlichster Art „umzuschlagen“, wie es in der Fachsprache heißt. Darunter versteht man das Umladen von Gütern von einem Transportmittel oder Transportweg auf einen anderen – also zum Beispiel vom Schiff auf die Eisenbahn oder umgekehrt. Diesem Zweck dient im Würzburger Hafen unter anderem ein elf Kilometer langes, hafeneigenes Gleisnetz mit Anschluss an die Deutsche Bahn, das von der WHG betrieben wird. Auf diese Weise werden im Würzburger Hafen bahn- und schiffsseitig jährlich rund eine Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen. Allein der Schiffsumschlag beläuft sich auf circa 285.000 Tonnen pro Jahr. Zu den umgeschlagenen Gütern zählen insbesondere land- und fortwirtschaftliche Erzeugnisse, Nahrungs- und Futtermittel, Kohle, Baustoffe und Düngemittel. Aber auch Gefahrgüter wie Mineralölerzeugnisse und Öl gehören dazu. Dementsprechend sind im Hafenareal sowohl Großtanklager und wertstoffverarbeitende Betriebe als auch Futter- und Nahrungsmittelfabriken sowie eine Vielzahl weiterer Gewerbebetriebe angesiedelt. Das liegt nicht zuletzt an den geographischen und infrastrukturellen Bedingungen: Aufgrund der zentralen Lage in der Mitte Deutschlands und der guten Anbindung über den Wasserweg sowie über Schienen und Straßen ist der Würzburger Hafen mit seinen insgesamt 86 Hektar Fläche ein idealer Gewerbestandort. Und daher ist das Bereitstellen von Immobilien und Grundstücken für Gewerbeansiedlungen unterschiedlichster Art – ob mietweise oder im Erbbaurecht – längst das Hauptgeschäftsfeld der WHG.

„Die Welt zu Gast in Würzburg“

Doch vermutlich kennt jede Würzburgerin und jeder Würzburger auch die Anlegestellen der WHG für die Personenschifffahrt entlang des Mains. Sie sind das sichtbarste Zeichen dafür, dass der Würzburger Hafen mehr ist als ein bedeutender Güterumschlagplatz. Allein acht Anlegestellen für Flusskreuzfahrtschiffe gibt es in Würzburg, dazu weitere fünf Anlegestellen für durchreisende Sportboote sowie fünf Liegestellen am Alten Kranen für die Linien- und Ausflugsschiffe der Weißen Flotte Würzburg. Nicht nur im Frühjahr und Sommer herrscht hier bei gutem Wetter ein buntes Treiben, sondern auch in der Vorweihnachtszeit. Denn dann erlebt die sogenannte Fahrgastkabinenschifffahrt ein weiteres saisonales Highlight, weil zahlreiche „Weihnachtsmarkt-Touristen“ mit den Flusskreuzfahrtschiffen in die Stadt kommen. „In vielen Ländern wie etwa die USA oder Kanada gibt es ja nicht diese ausgeprägte Tradition der Weihnachtsmärkte wie in Deutschland“, erzählt die Geschäftsführerin der WHG, Sandra Schmitt. „Und so nutzen viele ausländische Touristen die Flussschifffahrt, um gleich mehrere Weihnachtsmärkte entlang der deutschen Flüsse zu besuchen.“

Überhaupt: die Fahrgastkabinenschifffahrt. Sie ist es, die internationales Flair nach Würzburg bringt. Durch die Verbindungen des Mains mit dem Rhein und – über den Main-Donau-Kanal – mit der Donau, legen in Würzburg Jahr für Jahr Schiffe aus zahlreichen europäischen Ländern an: von Frankreich und den Niederlanden im Westen bis nach Bulgarien und Ungarn im Osten. Üblicherweise hat die WHG daher pro Jahr die stolze Zahl von etwa 1.000 Anlegungen zu verzeichnen. „Durch die Corona-Pandemie ist die Zahl der Anlegungen in den vergangenen beiden Jahren natürlich sehr viel niedriger gewesen“, berichtet Geschäftsführerin Sandra Schmitt. „Doch in diesem Jahr sieht es so aus, dass wir mit ungefähr 900 Anlegungen rechnen und somit langsam wieder an das gewohnte Niveau anknüpfen können.“

Kreuzfahrtschiffe in Würzburg – ein gewohntes Bild in Würzburg. Foto: WVV

Mitarbeiter wie Christian Bauer, der seit 2011 im kaufmännischen Bereich der WHG tätig ist, kümmern sich um alles, was mit dem Geschäftsfeld „Personenschifffahrt“ zusammenhängt. „Ich bin zum Beispiel zuständig für die Disposition der Flusskreuzfahrtschiffe, weise die Liegeplätze zu, bereite die Liegegeldabrechnungen vor und bin immer der erste Ansprechpartner für die Crews der Schiffe bei Fragen und Problemen aller Art.“ Das kann mitunter ein sehr spezielles Anliegen sein: So beschaffte Christian Bauer zum Beispiel vor einigen Jahren der Rezeptionistin eines Kreuzfahrtschiffes samstags in Würzburg Ersatz für ihre zerbrochene Brille, ohne die sie kaum etwas sehen konnte. Da das Schiff erst am Sonntag in Würzburg anlegte, hätte sie die neue Brille nicht selbst besorgen können. „Es kommt schon auch mal vor, dass ein Crewmitglied angesichts der vielen Anlegestellen in Würzburg den Überblick verliert und sein Schiff nicht mehr findet“, erzählt Christian Bauer schmunzelnd. „In solchen Fällen helfen wir natürlich ebenfalls gern.“ Auch um die Organisation von „Highlights“ wie der großen Feier zur eintausendsten Anlegung im November 2015 mit Feuerwerk und allem Drum und Dran oder einer gelegentlichen Schiffstaufe kümmern sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WHG. Und nicht zuletzt wickeln sie alles ab, was mit der Versorgung der Schiffe mit Strom und Wasser sowie der Abfallentsorgung zu tun hat. Und hier – im Bereich der Energieversorgung der Schiffe – hat die WHG in den vergangenen 15 Jahren ein viertes Geschäftsfeld entwickelt.

Ein nachhaltiges Geschäftsmodell: Die Energieterminals

Schon seit 2006 sind nämlich im Würzburger Hafen die sogenannten „Energieterminals“ im Einsatz – eine von den Stadtwerken Würzburg entwickelte und in Deutschland bislang einzigartige Lösung, um Schiffe von Land aus zuverlässig mit Strom und frischem Wasser zu versorgen.

„Fast alle deutschen Häfen, bei denen Personenschiffe anlegen, haben inzwischen ein Energieterminal der WHG.“

Durch die Versorgung mit „Landstrom“ müssen die Schiffe ihre Stromversorgung nicht mehr wie zuvor über die lauten und umweltschädlichen Dieselaggregate sicherstellen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Einhaltung der vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerte (Feinstaub, Stickstoffoxide) in einer Stadt wie Würzburg. Seit 2007 vertreibt die WHG diese Terminals mit großem Erfolg auch überregional: „Aktuell haben wir in verschiedenen deutschen Städten insgesamt 44 solcher Terminals im Einsatz“, berichtet Sandra Schmitt stolz. „Man kann sagen: Viele deutsche Städte, bei denen Personenschiffe anlegen, haben inzwischen solche Energieterminals der WHG. Inzwischen vermarkten wir das Produkt sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus.“ So wurde das Energieterminal zum Beispiel schon nach Luxemburg verkauft. Auch in Österreich gibt es bereits Interessenten.

„Die Energieterminals der WHG leisten einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung der Emissionsgrenzwerte in Würzburg.“

Angesichts dieser Erfolge geht man bei der WHG nun mit einer neuen Produktvariante noch einen Schritt weiter: Mit Förderung durch den Bund und den Freistaat Bayern wurde das Pilotprojekt „Landstrom für Güterschiffe“ gerade erfolgreich abgeschlossen. Da Güterschiffe eine etwas andere technische Ausstattung haben als Personenschiffe – beispielsweise bei den Anschlüssen  – und auch wesentlich weniger Strom verbrauchen, war hier eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Produkts erforderlich. Nun steht im Neuen Hafen bereits das erste Exemplar funktionsbereit zur Verfügung. Auch dieses Produkt soll künftig an andere Häfen vermarktet werden. Außerdem bietet die WHG rund um die Energieterminals weitere Dienstleistungen an – von der Disposition über die Verbrauchsabrechnung bis zur Überwachung der Stromanschlusspflicht. „Die hafenspezifischen Dienstleistungen sind zwar bislang noch das kleinste unserer vier Geschäftsfelder,“ so Geschäftsführerin Sandra Schmitt. „Doch aus unserer Sicht hat es das größte Potenzial, sodass wir es auf jeden Fall deutschlandweit weiter ausbauen wollen.“ Die Entwicklung des Würzburger Hafens bleibt also auch weiterhin spannend.

Hier geht es zur Homepage der WHG

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