Viele fragen sich: Was war da eigentlich los? – Deshalb blicken wir noch einmal auf die außergewöhnliche Schneesituation zurück und erklären, warum diese Entscheidung notwendig war.
Ausnahmesituation schon am Sonntagabend: Es beginnt zu schneien
Bereits am Sonntagabend hatte es, nachdem zuvor Eisregen eingesetzt hatte, heftig zu schneien begonnen. Es schneite und schneite und hörte einfach nicht mehr auf, so dass bereits am späten Abend die letzten Straßenbahnen mit dem Zustand der schneebedeckten Gleise und damit verbundenen Problemen bei Elektronik und Bremsmechanismen zu kämpfen hatten.
Mehrere Versuche in der Nacht von Sonntag auf Montag, mit dem WSB-eigenen „Schneepflug“ und dem Schienenpflegewagen das Netz durch sogenanntes „Freifahren“ befahrbar zu halten, scheiterten an den außergewöhnlichen Schneemassen. In der Konsequenz musste die Entscheidung getroffen werden, dass am Montag, 26.01.2026 der Straßenbahn-Linienbetrieb nicht aufgenommen werden konnte.
So ging dann am Montagmorgen in Würzburg verkehrstechnisch erst einmal: Nichts. Die starken Schneefälle dauerten weiterhin an. Genau wie bei unseren Kollegen in Nürnberg, die ebenfalls den Betrieb einstellen mussten. Ganz Franken versank im Schnee.
Wer entscheidet wann, ob die Busse und Straßenbahnen bei extremer Witterung (Schnee, Glatteis, Eisregen) fahren können?
Noch vor Beginn des Betriebstages bei der WSB wird geprüft, ob der Bus- und der Straßenbahnbetrieb überhaupt sicher möglich sind. Diese Entscheidung liegt beim Betriebsleiter, der für die sichere und ordnungsgemäße Betriebsführung verantwortlich ist.
Am Montagmorgen war klar: Unter diesen Witterungs-Bedingungen kann der Betrieb nicht verantwortet werden. Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden und unserer Fahrgäste steht eindeutig im Vordergrund!
Obwohl Schneepflug und Schienenpflegewagen den ganzen Tag unermüdlich im Einsatz waren, war der Menge an Schnee auf den Schienen nicht beizukommen, kaum war ein Schienenbereich geräumt, war er auch schon wieder zugeschneit. Unter dem Schnee lag außerdem noch immer gefrorener Regen. Zusammen mit der außergewöhnlichen Schneemenge verklumpte der Schnee regelrecht in den Schienen und setzte die Schienenrille zu. Hierdurch besteht einerseits die Gefahr der Entgleisung und andererseits wird der Stromfluss unterbrochen, so dass die Elektromotoren nicht mehr mit elektrischer Energie versorgt werden können. Darüber hinaus existieren weitere Risiken:
- Die Sandrohre der Straßenbahn können vereisen oder verstopfen, Bremssand kommt nicht mehr zuverlässig auf die Schiene.
- Die Magnet-Schienenbremse kann in ihrer Wirkung eingeschränkt sein, wenn sich Eis und Nässe zwischen Magnet und Schienenkopf befinden.
Kurz gesagt: Die Bremsen können nicht mehr so greifen, wie sie müssen. Der Einsatz der Straßenbahnen hätte aus diesem Grund ein nicht vertretbares Sicherheitsrisiko bedeutet.
Den ganzen Montag über waren Mitarbeitende der WSB im Einsatz, um das Eis-Schneegemisch aus den Schienenrillen zu meißeln und die Gleise Stück für Stück wieder befahrbar zu machen.
Eine weitere Herausforderung stellten die ungenügend geräumten Haltestellen dar, die von der Straßenbahn nicht angefahren werden konnten. Auch hier war die Menge an Schnee einfach zu viel für die Räumfahrzeuge der Stadt. Da die Straßenbahnen Türen haben, die zum Öffnen nach außen schwenken, können diese bei entsprechenden Schneehöhen auf den Haltestellen einfach nicht geöffnet werden.
Warum auch der Busverkehr eingestellt werden musste
Glatte Fahrbahnen, vereiste Steigungen und verschneite Haltestellen machen den Busbetrieb riskant. Besonders in den Höhenlagen droht dann der Verlust von Bodenhaftung: Das heißt, die Busse können bei extremer Witterung an Steigungen nicht mehr sicher anfahren und auch die Bremswege verlängern sich deutlich. Rutschende Fahrzeuge gefährden Fahrgäste, andere Verkehrsteilnehmende und die Fahrerinnen und Fahrer. Deshalb ist es in so einem Fall besser, aus Sicherheitsgründen lieber den Verkehr einzustellen, als Fahrgäste oder Mitarbeitende zu gefährden. Ein Bus lässt sich nicht einfach vorsichtig weiterfahren, wenn die Physik nicht mehr mitspielt. In so einer Situation waren wir am Montag den ganzen Tag über.
Zugeschneite Straßen in Würzburg. Foto: WVV
Warum wurde der Fahrbetrieb auch am Nachmittag nicht wieder aufgenommen?
Gegen 16:00 Uhr war klar: Der Schneefall hält an, die Bedingungen verbessern sich nicht ausreichend.
Deshalb entschied die Betriebsleitung, den Straßenbahn- und Omnibusverkehr bis Betriebsende nicht wieder aufzunehmen. Parallel liefen aber bereits die Vorbereitungen für den nächsten Morgen: Mitarbeitende der WSB waren die gesamte Nacht von Montag auf Dienstag über im Einsatz, um die Gleise schrittweise wieder befahrbar zu machen. Im Fokus stand nun die Beseitigung der Schneemassen sowohl aus dem Gleisbereich als auch von den Haltestellenflächen. Dies wurde in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Winterdienst durchgeführt, damit Fahrgäste sicher ein- und aussteigen konnten.
Warum lief es am Dienstag trotzdem nicht sofort rund?
Der Dienstag startete vorsichtig und schrittweise: Die Buslinien gingen wieder in Betrieb und auch die Straßenbahnlinie 4 konnte den Verkehr wieder aufnehmen. Auf der Linie 5 wurde wegen der noch immer zugeschneiten Haltestellen vor allem im Bereich Heuchelhof/Rottenbauer zunächst noch ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Genau in dem Moment, als sich die Lage zu entspannen schien, kam es leider zu einer Verkettung unglücklicher Zufälle: Mehrere im Schnee festgefahrene LKWs blockierten unsere Gleise – erst in der Zellerau, dann in der Sanderau. Der Betrieb musste erneut angepasst und zeitweise unterbrochen werden.
Um ca. 11 Uhr lief dann aber endlich alles wieder rund.
Währenddessen in den sozialen Medien
Auf unseren Social-Media-Kanälen (Instagram und Facebook) gab es – neben Verständnis und einigen Beschwerden – auch durchaus kreative Lösungsvorschläge. Dazu gehörten neben dem Vorschlag, an Bussen und Straßenbahnen doch bei einer solchen Wetterlage Schneepflüge anzubringen weitere Tipps, wie die Durchführung eines Schnee-Fahrsicherheitstrainings auf der Talavera oder das kollektive Schneeschaufeln an Haltestellen für alle Mitarbeitenden, die gerade nicht fahren können. Auch diese Frage kam auf: „Wie machen das eigentlich die Skandinavier oder Kanadier?“
Auch Humor muss sein – aber am Ende gilt für uns immer: Sicherheit geht vor!
Die wichtigste Botschaft: „Safety first“
Natürlich wissen wir um die Auswirkungen, die ein Ausfall im ÖPNV mit sich bringt. Menschen müssen zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt oder haben andere wichtige Termine, die sich nicht verschieben lassen. Deshalb wird im Einzelfall immer sorgfältig abgewogen, ob es die Witterungslage zulässt, unsere Fahrzeuge auf die Straße bzw. auf die Schiene zu schicken.
So ärgerlich Ausfälle auch sind: Die Sicherheit unserer Fahrgäste und unserer Mitarbeitenden hat immer oberste Priorität. Das oberste Ziel der WSB bleibt es in diesen Fällen, den sicheren Betrieb des ÖPNV im Zusammenspiel mit den städtischen Dienststellen so schnell wie möglich wieder herzustellen.
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