Mein Herz hängt an Würzburg!“ – Simone Junk im Gespräch

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ – Diese Spruchweisheit, die an Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Erinnerung“ angelehnt ist, hat sicher einiges für sich. Andererseits bietet „die Ferne“ – nicht zuletzt im beruflichen Kontext – auch immer die Möglichkeit, ganz neue Erfahrungen zu sammeln, seinen Horizont zu erweitern, sich fachlich und in seiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Andererseits bietet „die Ferne“ – nicht zuletzt im beruflichen Kontext – auch immer die Möglichkeit, ganz neue Erfahrungen zu sammeln, seinen Horizont zu erweitern, sich fachlich und in seiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Und sich damit auch für höhere, verantwortungsvollere Aufgaben zu empfehlen. Nicht umsonst gilt das „Job-Hopping“, also der regelmäßige Arbeitgeberwechsel alle paar Jahre, spätestens seit Beginn des 21. Jahrhunderts in Managementkreisen als eine Art „Königsweg“, um Karriere zu machen.

Doch unsere Welt besteht nicht nur aus Schwarz und Weiß – sie ist voller Grautöne, Farben, Nuancen und Perspektiven. Und so gibt es auch Menschen, die nach langer Zugehörigkeit zu einem Unternehmen für eine Zeit lang andernorts Erfahrungen sammeln – um mit neuen Ideen und erweiterten Kompetenzen zurückzukehren und eine höhere Position zu übernehmen.

Menschen wie beispielsweise Simone Junk, die man gewiss nicht als „Job-Hopperin“ bezeichnen kann.

Bald 30 Jahre ist Simone Junk bereits der WVV verbunden.

27 Jahre lang war sie im Anschluss an ihre Ausbildung im WVV-Konzern in verschiedenen Funktionen tätig, bevor sie „in die Ferne schweift“ – zur „Überlandzentrale Mainfranken eG“ im allerdings gar nicht so fernen Lülsfeld. Von dort ist sie vor einem Jahr in den WVV-Konzern zurückgekehrt und bildet seit 1. Oktober 2025 bei der „Mainfranken Netze GmbH“ (MFN) als kaufmännische Geschäftsführerin eine Doppelspitze mit Jürgen Söbbing, der seit 2021 die Geschicke des Unternehmens lenkt. Wie blickt sie auf das erste Jahr in der neuen Funktion zurück? Was hat sie zur Rückkehr bewogen? Und was treibt sie in ihrer neuen Rolle um und an? Auf diese und weitere Fragen gibt Simone Junk im Gespräch bereitwillig Auskunft.

Die Erwartungen haben sich vollständig erfüllt

„Auf jeden Fall war das vergangene Jahr war für mich wahnsinnig spannend und das absolute Highlight meiner bisherigen Karriere“, schwärmt Simone Junk. „Dass ich hier als Geschäftsführerin an der Seite von Jürgen Söbbing und zusammen mit einer großartigen Mannschaft wichtige Entwicklungen auf den Weg bringen kann, macht mir unheimlich viel Spaß.“ Natürlich gebe es auch einige Prozesse, bei denen man näher hinschauen müsse und noch besser werden könne. „Aber wir haben in der MFN eine unglaubliche Schlagkraft; wenn wir Dinge anpacken, machen wir die wirklich sehr, sehr gut “, lobt die Geschäftsführerin.

„Meine Erwartungen und was ich mir gewünscht habe, hier vorzufinden, haben sich zu 100 Prozent erfüllt: Ein tolles Team mit teils vertrauten, aber auch vielen neuen Gesichtern; eine hohe Drehzahl mit einer dynamischen strategischen Ausrichtung und tagtäglich neue Herausforderungen. Das alles hat mir erneut deutlich gemacht, dass mein Herz einfach an Würzburg hängt.“

Geschäftsführung der MFN: Jürgen Söbbing und Simone Junk. Foto: WVV.

Gibt es bei aller Begeisterung auch Dinge, die sie von ihrem bisherigen Job bei der ÜZ Mainfranken her vermisst und gerne in ihre neue Stelle mitgenommen hätte? Simone Junk muss da nicht lange überlegen: „Es ist eher umgekehrt“, bekennt sie ohne Umschweife. „Natürlich hatte ich auch bei der ÜZ als geschäftsführende Vorständin eine verantwortungsvolle Position und durfte dort wichtige Projekte begleiten. So haben wir zum Beispiel ein Solarparkprojekt mit 30 Megawatt realisiert und ein prädiktives Steuerungsmodell eingeführt – also eine fortschrittliche Methode, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Prognosen abzuleiten und rechtzeitig gegenzusteuern.

Ich möchte meine Zeit dort also keinesfalls gering schätzen. Aber die ÜZ Mainfranken ist eben nur ein Stromnetzbetreiber, während ich jetzt bei der MFN wieder mit allen Sparten zu tun habe. Diese Vielfalt eines großen Netzbetreibers erlebe ich als eine große Bereicherung.“

Von Altbewährtem und notwendigen Veränderungen

Folgerichtig fällt Simone Junk auch nichts ein, was sie im Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate anders machen würde, wenn sie ihre neue Stelle erst morgen antreten würde: Das reicht bis in kulinarische Details hinein: „Es hat alles wunderbar gepasst und ich würde auch morgen genauso wieder einsteigen. Zum Beispiel habe ich zu meiner ersten Betriebsversammlung für alle Mitarbeitenden Nussecken gebacken – und das würde ich auch wieder so machen“, lacht sie.

Aber im Ernst: Wenn sie auf ihre 27 Jahre bei der WVV und ihren „Ausflug“ nach Lülsfeld zurückschaut – was hat sich für sie geändert, wie hat sie sich verändert? „Da lässt sich durchaus das eine oder andere benennen“, gibt sie unumwunden zu. „Zum Beispiel bin ich in der Regel ein eher ungeduldiger Mensch, habe aber lernen müssen, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen.“ Und ein weiterer zentraler Punkt sei der erfolgte Perspektivenwechsel im Hinblick auf die Kundenbedürfnisse: „Salopp gesagt, haben wir als Unternehmen früher Sachen für unsere Kunden und Kundinnen gemacht, bei denen wir kurzerhand – wenn auch nach bestem Wissen und Gewissen – davon ausgingen, dass das schon so passt und die Kundschaft damit zufrieden ist“, erzählt die neue Geschäftsführerin.

„Heute denke ich konsequent andersherum: Es kann nicht darum gehen, dass wir uns für unsere Kunden – die Anschlussnehmer bei Strom, Gas, Wasser, Fernwärme oder auch die Betreiber von EEG-Anlagen – im stillen Kämmerlein was überlegen und ihnen das dann ungefragt servieren.

Uns muss immer die Frage antreiben: Lieber Kunde, was brauchst Du von uns?“

Und wie ist es mit den von ihr erwähnten Bereichen, in denen die MFN ihrer Meinung nach noch besser werden kann? „Das schlägt im Grunde in die gleiche Kerbe“, erklärt Simone Junk. „Wir analysieren zurzeit sehr genau, wie unsere Prozesse gestaltet sind. Dabei haben wir bereits festgestellt, dass wir teils noch zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Da gibt es mitunter Schleifen in den Prozessen, die weder effektiv noch effizient sind und uns langsamer machen, als es nötig wäre. Am Ende steht dann die Kundschaft, die darauf warten muss, bis wir unsere Schleifen durchlaufen haben.“

Die Lust, Dinge gemeinsam voranzubringen…

Wobei die neue Geschäftsführerin großen Wert darauf legt, die aus ihrer Sicht notwendigen Veränderungen nicht einfach „von oben“ zu verordnen, sondern im engen Austausch mit ihrem Team zu entwickeln und anzustoßen. Und dabei nicht „auf einem Thron zu sitzen“, sondern sich als ganz normales Mitglied in das Team zu integrieren: „Ich muss bei unseren Besprechungen nicht selbst strahlen wie die hellste Kerze auf der Torte“, stellt Simone Junk klar. „Entscheidend ist doch, dass die geballte Sachkompetenz in meinem Team ungehindert zum Tragen kommt und zu erfolgversprechenden Lösungen führt. Deshalb ist das A und O für mich, dass wir auf Augenhöhe kommunizieren und ich nicht irgendwie obendrüber stehe.

Ich wünsche mir immer das offene Wort und kann auch mit Einwänden hervorragend umgehen. Ich bin überzeugt, dass ein solcher komplett offener, transparenter und kollegialer Führungsstil zu den besten Ergebnissen führt.“ Zumal sie es als einen großen Vorzug ihrer Führungsposition sieht, Mitarbeitende entwickeln zu können: „Wenn ich dann spüre, wie jemand in seiner Rolle aufblüht, sich mehr und mehr zutraut, vielleicht eine Projektleitung übernimmt und dann einen Riesenschritt in seiner Entwicklung und seiner Motivation macht, dann bereitet mir das unheimlich viel Freude.“

…und der Ansporn, dem Ziel immer ein Stück näher zu kommen

Apropos Motivation: Nach ihrer eigenen inneren Triebfeder befragt, kommt Simone Junk sehr schnell auf das Thema „Zielerreichung“ zu sprechen: „Ich bin sehr zahlenaffin und mir gefällt es daher, wenn wir uns messbar einem Ziel annähern, das wir uns im Rahmen unserer strategischen Ausrichtung gesetzt haben“, erzählt sie. „Dieses wunderbare Gefühl, dem Ziel immer ein Stückchen näher zu kommen, ist für mich ein wichtiger Anreiz. Im Grunde sind das also die drei zentralen Quellen meiner Arbeitsmotivation: Erstens die Vielfältigkeit der Energiebranche, die dazu führt, dass wir praktisch jeden Tag vor neuen Herausforderungen stehen, die es zu meistern gilt. Es wird also nie langweilig. Zweitens die Möglichkeit, Dinge gemeinsam mit einem großartigen Team gestalten zu können. Und drittens schließlich der Antrieb, Schritt für Schritt unsere Ziele zu erreichen.“

Aus dieser Motivation heraus steht sie gerne jeden Morgen bereits um halb fünf Uhr auf und gönnt sich unter anderem einen eineinhalbstündigen Spaziergang, auf dem sie schon mal den vor ihr liegenden Tag durchdenkt und gedanklich vorbereitet, bevor sie dann um acht Uhr ins Büro kommt.

1 Jahr Simone Junk GF der MFN. Foto: WVV.

Auf keinen Fall das Lachen verlernen

Man ahnt es schon: Auch in ihrem Privatleben – zum Beispiel im Urlaub – ist Simone Junk ein eher aktiver Mensch, nicht unbedingt jemand, der gerne den ganzen Tag am Strand liegt. „Nein“, lacht sie, „das wäre definitiv nichts für mich. Ich wandere sehr gern, liebe es, mit unserem Hund durch die Wälder zu streifen, oder begebe mich im Urlaub zusammen mit meinem Mann im Wohnmobil auf Reisen. Aber selbst dann habe ich meinen Laptop immer dabei, um kurzfristig auf berufliche Anforderungen reagieren zu können. Das ist für mich auch völlig in Ordnung, da finde ich nichts bei.“

Bleibt nach dem Rückblick auf das erste Jahr als Geschäftsführerin der MFN und mit Blick auf den allmählich näher rückenden Jahreswechsel noch die Frage: Was hat sich Simone Junk für das nächste Jahr vorgenommen? Welche guten Vorsätze für 2027 fallen ihr spontan ein?

„Zum einen möchte ich beruflich wie privat noch ein wenig konsequenter in der Umsetzung meiner Pläne und Vorhaben werden“, bekennt sie. „Also, dass ich Dinge, die ich mir vorgenommen habe, noch ein bisschen schneller abhandeln kann.“ Beruflich sei ein weiteres wichtiges Ziel für das vor ihr liegende Jahr, dass die Standortentwicklung der MFN, also die Zusammenführung an einem zentralen Firmensitz, ohne große Reibungsverluste verlaufe und das alles gut funktioniere.

Und schließlich: „Ich möchte mein Lachen nicht verlieren! Ich finde, an jedem Tag im Leben sollte man mindestens einmal auch einen Anlass zum Lachen oder wenigstens zum Lächeln finden.“ Ein Vorsatz, dem sich gewiss viele Menschen spontan anschließen können. Und nach einem längeren Gespräch mit Simone Junk hat man den Eindruck: Das wird ihr bestimmt genauso gut gelingen, wie die erfolgreiche Umsetzung vieler anderer Vorhaben.

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