Innovationen für heiße Tage im Würzburger Gleisnetz

Die letzten Sommer haben es gezeigt: Hitze und extreme Wetterlagen nehmen spürbar zu und machen auch vor der Infrastruktur nicht Halt. Die hierdurch eingetretenen Probleme haben sich in verschiedenen Städten unterschiedlich ausgewirkt und zu mehr oder weniger starken Einschränkungen geführt.
Mit klugen Lösungen durch heiße Tage: Wie die WVV innovative Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel testet.// Foto: WVV.

Der Sommer 2026 war in Deutschland der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die hohen Temperaturen haben auch das Straßenbahnnetz nicht unberührt gelassen. Ende Juni ist es zum ersten Mal in Würzburg passiert: Die Straßenbahnschienen wurden so heiß, dass das die bitumenhaltige Vergussmasse in den Schienenfugen stellenweise weich bzw. flüssig machte. An manchen Stellen, die besonders starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, erreichten die Schienen eine Temperatur von bis zu 56 Grad Celsius, das weiche Bitumen gelangte direkt auf den Schienenkopf. Die Sicherheit der Würzburger Fahrgäste konnte umgehend gewährleistet werden, indem der Straßenbahn-Verkehr kurzfristig auf einen Schienenersatzverkehr umgestellt wurde.

Das Bitumen neben den Gleisen wurde im Sommer so weich, dass es teilweise in die Schienen gelangte und damit den Straßenbahn-Verkehr unmöglich machte. // Foto: WVV.

Wir müssen aktiv vorsorgen, um unsere Infrastruktur auch bei außergewöhnlichen klimatischen Belastungen sicher und zuverlässig betreiben zu können.

sagt Bernd Karl, Geschäftsführer Technik und Betrieb der WVV Mobilität.

Bernd Karl, Geschäftsführer Technik und Betrieb der Würzburger Straßenbahn GmbH, hebt hervor, wie wichtig es ist, dass die Infrastruktur der Straßenbahn in Würzburg zuverlässig funktioniert. // Foto: Michael Pogoda.

Auch andere deutsche Städte wie Nürnberg, Leipzig und Essen hatten mit der Hitze zu kämpfen. Dort standen Straßenbahnen wegen Bitumenproblemen mehrere Tage lang still. In Leipzig beispielsweise hatten die Straßenbahnen die Fugenmasse herausgedrückt und mit ihren Rädern auf Schienen und Weichen bis zu fünf Millimeter dick verteilt. Die Masse härtete dann wieder aus und verklebte die Schienen und beschädigte auch Fahrzeuge. Viele Freiwillige packten mit an, um mit Spachteln die schwarze zähe Masse aus den Schienen zu entfernen. Insgesamt 550 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an den Hilfsaktionen. In Nürnberg wurde mit Trockeneis an verklebten Weichen gearbeitet. In Würzburg nutzten unsere Expert/-innen Schiefermehl, um das weiche Bitumen abzustumpfen. Diese schnelle und kreative Lösung sorgte dafür, dass der Fahrbetrieb möglichst wenig beeinträchtigt wurde.

Doch die WVV möchte für die Zukunft gerüstet sein. Seit August 2026 wird nun an der Haltestelle „Wörthstraße“ etwas ganz Besonderes getestet: Ein innovativer Zwei-Komponenten-Kaltverguss aus Bitumen und Polyurethan – lösemittelfrei, besonders elastisch und widerstandsfähig gegenüber mechanischen Belastungen und hohen Temperaturen. Dieses neue Material verbindet die besten Eigenschaften beider Stoffe und sorgt für mehr Haltbarkeit der Schienenlängsfugen. Gleichzeitig wurde bewährtes Stein- und Schiefermehl verwendet, um zu verhindern, dass sich Klebewirkungen an den Schienenrädern bilden. So läuft alles rund und sicher. Das bedeutet: Auch bei starken Temperaturschwankungen bleibt die Straßenbahn durch Würzburg zuverlässig unterwegs!

Die WVV schafft heute bereits Lösungen für morgen und macht Würzburg fit für die Zukunft. // Foto: WVV.

„Wir erwarten uns davon hohe Standfestigkeit, Hitze-Unabhängigkeit und dass keine Schadstoffe und Sand in die Fugen eingetragen werden“, so Dieter Schäfer, Gleisbau-Ingenieur bei der WVV Mobilität. „Wir werden das in den nächsten zwei Jahren beobachten und hoffen, dass das in Zukunft unsere Standardbauweise wird.“ Alle Infos dazu finden Sie hier im Video.

Die WVV zeigt, wie vorausschauendes und innovatives Arbeiten funktioniert. Als Mitglied im VDV-Verband bringen wir die neuesten Innovationen nach Würzburg und beobachten, ob sich das Material langfristig bewährt. Die gewonnenen Erfahrungen können künftig auch für andere Verkehrsunternehmen wichtige Entscheidungshilfen liefern. Der Austausch mit den anderen Verkehrsunternehmen, nachhaltige Investitionen und mutige Tests sorgen dafür, dass Würzburg auch weiterhin auf die Straßenbahn zählen kann – bei jedem Wetter!

Freuen Sie sich also weiterhin auf einen sicheren und zuverlässigen Nahverkehr in Würzburg.

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