Seit 70 Jahren gibt es unser beliebtes Dallenbergbad. Und seit fast 40 Jahren gehört zu seinen Stammgästen ein Mann, dem selbst nur noch wenige Jahre zum 70. Geburtstag fehlen und der im Freibad im Steinbachtal inzwischen geradezu einen „Kultstatus“ genießt: Der Mann in der gelben Badehose. Wer ist dieser Mann? Warum ist er unter den Würzburger Schwimmbegeisterten bekannt „wie ein bunter Hund“? Und was hat es mit der gelben Badehose auf sich? Drei Fragezeichen, die wir im Folgenden in drei Schritten auflösen wollen – auch ohne die Mithilfe der berühmten Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Fragen wir ihn stattdessen selbst! Also, der Reihe nach….
Schritt 1: Der Mann selbst
Bei dem Mann handelt es sich um Jürgen Bücking, der in Volkach lebt und die halbstündige Autofahrt nach Würzburg aus einem einzigen Grund auf sich nimmt: Der Sprungturm im „Dalle“ zieht ihn nahezu magisch an. Denn er begeistert sich seit seiner frühen Jugend für das „Wasserspringen“ – ein Freizeit- und Wettkampfsport, der sich in verschiedene Disziplinen unterteilt. Doch dazu später mehr. Bleiben wir zunächst bei Jürgen Bücking. Was macht für ihn den Reiz des „Dalle“ aus? „Das Dallenbergbad bietet täglich die gesamte Bandbreite an Sprungmöglichkeiten aus jeder Höhe“, lobt Jürgen Bücking. „Das findet man sonst in der Region nicht so ohne weiteres.“ Denn am dortigen Springerbecken lassen sich tatsächlich Sprünge aus 1 Meter, 3 Metern, 5 Metern, 7,5 Metern und 10 Metern durchführen. Das bedeutet auch: Man kann hier zwei der drei Disziplinen der olympischen Wettkampfsportart „Wasserspringen“ praktizieren – sowohl das Kunstspringen, das vom 1-Meter oder vom 3-Meter-Brett erfolgt, als auch das Turmspringen von den höheren Plattformen. Lediglich für das Synchronspringen, die dritte Disziplin, braucht es besondere Anlagen, die sich lediglich in speziellen Wassersprung-Vereinen und Leistungszentren finden. Doch Jürgen Bücking hat es ohnehin das Turmspringen besonders angetan, das er ausschließlich als Freizeitsport betreibt. „Nicht dass es mich nicht gereizt hätte, diesen faszinierenden Sport auch wettkampfmäßig zu betreiben“, bekennt der heute 66-Jährige. „Aber als ich zwischen meinem 12. und 17. Lebensjahr das Wasserspringen aus zunehmenden Höhen für mich entdeckte, gab es in den Sportvereinen meiner Region niemanden, der etwa die korrekte Ausführung eines gehechteten oder gestreckten Kopfsprunges oder von verschiedenen Saltos hätte erklären können. Und die Leistungsvereine in diesem Bereich, wo ich das professionell und auch während des Winters hätte trainieren können, waren viel zu weit weg – in Nürnberg, Bayreuth, Heilbronn.“ So kam es, dass Jürgen Bücking niemals Mitglied eines Wassersprungvereins wurde, sondern sich sein entsprechendes Können – wie einiges mehr in seinem Leben – als sogenannter Autodidakt („Selbstlerner“) erwarb.
Turmspringen als „Schule des Lebens“
Und das ist nun wirklich eine gute Nachricht für alle jungen Menschen, die Jürgen Bücking schon einmal bei der Ausführung seines Hobbys im Dallenbergbad erlebt haben und sich vielleicht dachten: „Wow – das würde ich auch gern können!“ Denn in hohem Maße kommt es auf einen selbst an: „Ich glaube aus meiner Lebenserfahrung heraus sagen zu können, dass fast alles erlernbar ist“, meint Jürgen Bücking. „Man kann im Leben immer eine Stufe höher klettern, wenn man die vorhergehende Stufe ausreichend oft und intensiv genug absolviert hat. Was es dazu braucht, ist Mut und Entschlossenheit, aber eben auch Geduld und Stehvermögen. Auch nach Rückschlägen nicht aufgeben, sondern immer weitermachen, wenn man sich ein Ziel gesetzt hat.“ Auch er, so erzählt Jürgen Bücking, sei bei seinem allerersten Salto vom 1-Meter-Brett unsanft auf dem Rücken gelandet. Beim zweiten Mal sei er dann ordnungsgemäß mit den Füßen zuerst ins Wasser eingetaucht. „Insofern taugt das Turmspringen in besonderer Weise zur Entwicklung der Persönlichkeit“, ist er überzeugt. „Es gibt ein unglaubliches Erfolgsgefühl, wenn man seinen inneren Schweinehund überwunden hat und sagen kann: Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben vom 10-Meter-Turm gesprungen. Und wenn unten am Beckenrand die Eltern oder Großeltern klatschen, dann ist das für einen jungen Menschen genauso aufbauend wie für mich der Applaus von Wildfremden im Dalle, wenn mir ein Sprung gut gelungen ist.“ Womit wir beim zweiten Schritt der Auflösung der „drei Fragezeichen“ wären.
Schritt 2: Der Grund für die hohe Aufmerksamkeit
Was ist es also, was die Sprünge von Jürgen Bücking im „Dalle“ so aufsehenerregend macht? Liegt es nur daran, dass hier ein „in Ehren ergrauter“ Mann den Sprungturm besteigt, dem man vielleicht altersmäßig eine solche Leistung nicht mehr zutraut? Das mag bei manchen Zuschauenden eine Rolle spielen – aber entscheidend dürfte etwas anders sein: „Zum einen falle ich dadurch auf, dass ich im Unterschied zu den meisten Jüngeren überwiegend Kopfsprünge mache“, erläutert Jürgen Bücking. „Zum Beispiel einen gestreckten Kopfsprung oder ein Vorwärtssalto beziehungsweise Rückwärtssalto mit gleichzeitiger Schraube, bei denen man schließlich mit der Kopfseite – bei entsprechender Schutzhaltung durch die Hände – ins Wasser eindringt. Die sind insbesondere aus größerer Höhe spektakulärer als die Sprünge, bei denen man mit den Füßen zuerst ins Wasser eintaucht.“ Die „Arschbombe“ ist also eher nicht sein Fachgebiet. Und dann gibt es noch einen Grund, der viel über den Menschen Jürgen Bücking aussagt: „Zum anderen lege ich sehr viel Wert auf optisch ansprechende Sprünge und die richtige Haltung beim Sprung, also auf den ästhetischen Aspekt.“ Auch bei anderen Sportarten, die Jürgen Bücking betreibt – zum Beispiel das Tanzen und gymnastische Übungen zum Erhalt der körperlichen Fitness – bevorzugt er abwechslungsreiche Übungen, die hohe Ansprüche an die Koordinationsfähigkeiten stellen. Und genau das sieht man eben auch, wenn man ihm im Dallenbergbad beim Springen zuschaut. Im Übrigen ist Jürgen Bücking in seiner aufrichtigen, bodenständigen Art auch in diesem Punkt ganz ehrlich: Wenn die Umstehenden nach einem gelungenen Sprung von ihm applaudieren, freut er sich durchaus: „Anerkennung tut schließlich jedem Menschen gut“, betont er.
Nur Übung macht den Meister
Wichtiger noch ist aber, dass er selbst mit dem Sprung zufrieden ist: „Man spürt am eigenen Körper, ob der beim Sprung gestreckt und in der richtigen Position war“, erläutert er. „Und man merkt es natürlich beim Eintauchen ins Wasser, ob man sich womöglich leicht überdreht oder unterdreht oder gar überschlagen hat.“ Dieses Körpergefühl gehört für ambitionierte Turmspringer zweifellos zu den wichtigsten Voraussetzungen, um immer noch mal „einen Tick besser“ werden zu können. Und die Basis dafür bilden Körperspannung, Körperbeherrschung, Gleichgewichtssinn, Beweglichkeit und Schnellkraft. Eigenschaften, die Jürgen Bücking nicht zuletzt im Winter durch entsprechende Übungen trainiert, wenn die Sprungtürme in den Freibädern nicht zugänglich sind und er seine Sprungtätigkeit auf das 1-Meter- oder das 3-Meter-Brett in Hallenbädern wie dem Würzburger Nautiland beschränken muss.
Aber nicht nur körperliche Fertigkeiten zählen beim Turmspringen. Es braucht auch bestimmte mentale Eigenschaften: die Konzentration auf den Augenblick, Mut, Entschlossenheit: „Wenn Du oben auf dem 10-Meter-Turm stehst, gilt: So schnell wie möglich springen, bloß nicht anfangen, nachzudenken“, lacht Jürgen Bücking. Diese innere Stärke bezieht er zum Beispiel aus der Zen-Meditation, die er in seinen Tagesablauf integriert hat. Und schließlich benötigt man Vernunft und Bescheidenheit: „Man sollte immer mindestens 10 Sprünge von der nächstniedrigeren Plattform ausprobiert haben, wenn möglich auch mit Hochspringen, bevor man sich an die nächsthöhere herantraut“, empfiehlt der erfahrene Springer Bücking. „Selbst ich springe bis heute sehr selten gleich vom 10-Meter, sondern baue die Sprunghöhen beginnend beim 3-Meter allmählich aus.“
Schritt 3: Die Badehose
Und was hat es nun mit der gelben Badehose auf sich? Nun – manches vermeintlich Rätselhafte im Leben entpuppt sich bei näherer Betrachtung als gar nicht so spektakulär. Lösen wir also auch das dritte Fragezeichen auf: „Das mit der gelben Badehose ist reiner Zufall“, berichtet Jürgen Bücking. „Ich hatte vor langer Zeit eine gelb-schwarze und wurde deshalb mitunter gefragt, ob ich Fan von Borussia Dortmund sei. Irgendwann habe ich dann im Internet eine gelbe Badehose gesehen, die mir gut gefiel und habe diese gekauft. Bei der Farbe bin ich dann konsequent geblieben – auch, weil es seinerzeit eher ungewöhnlich war, eine gelbe Badehose zu tragen. So wurde diese Badehose zu meinem Erkennungsmerkmal, ohne dass ich das jemals konkret beabsichtigt hätte.“
Lob und Verbesserungsvorschläge für das „Dalle“
Zum Abschluss noch die Frage: Gibt es etwas, das Jürgen Bücking am Dallenbergbad stört oder ihm früher besser gefiel? Ein paar wenige Punkte gibt es schon – vor allem diesen: „Ich nenne das salopp die ‚Kaffeekränzchen auf dem Sprungturm‘, wenn manche Jugendliche schon oben auf dem 10-Meter stehend erst merken, dass sie sich eigentlich nicht trauen und dann Zuspruch von anderen suchen, oder wenn sie dort zu dritt diskutieren, wie sie den Sprung ausführen wollen“, erklärt er. „Bei allem Verständnis, ist das ärgerlich für all diejenigen, die geduldig unten darauf warten müssen, bis sie dran sind. Denn der 10-Meter wird strikt nach 15 Minuten geschlossen und man hat dann vielleicht nur einen einzigen Sprung oder im Extremfall gar keinen machen können.“ Hier würde er es für hilfreich halten, wenn es eine Art „Springerpass“ gäbe, mit dem die Sprungbegeisterten nachweisen können, dass sie die Voraussetzungen für die jeweilige Sprunghöhe mitbringen. Denn für die verschiedenen Schwimmabzeichen würden ja im Höchstfall Sprünge vom 3-Meter-Brett verlangt.
Auch dass auf den höheren Plattformen kein barrierefreies Springen mehr möglich ist, also selbst schwierige Sprünge wie der eineinhalbfache Vorwärtssalto oder der Rückwärtssalto in Richtung Plattform („Auerbach-Salto“) mit nur drei kurzen Schritten eingeleitet werden können, behagt ihm nicht. Denn das berge Verletzungsrisiken beim Auerbach-Salto. „Als ich 1988 meine ersten Sprünge im Dallenbergbad machte, gab es diese Barrieren noch nicht“, erzählt er. „Auch in anderen Bädern, wie etwa in Schweinfurt, verzichtet man darauf; stattdessen übt dort jemand vom Badepersonal die Aufsicht aus.“ Für das Badepersonal in Würzburg findet Jürgen Bücking im Übrigen ausschließlich lobende Worte: „Das sollte man bei dieser Gelegenheit betonen: Alle dort sind äußerst zuvorkommend, geben ihr Bestes, sind immer für Fragen ansprechbar.“
Stichwort „ansprechbar“: Dies gilt ausdrücklich auch für Jürgen Bücking selbst. „Im Schwimmbad ergeben sich oftmals keine guten Gelegenheiten für ein Gespräch, weil man in der Schlange steht und auch auf den nächsten Sprung konzentriert ist“, räumt er ein. „Aber wer gerne ein paar Tipps oder Auskünfte zum Wasserspringen haben möchte, darf mich gerne über WhatsApp oder per E-Mail kontaktieren.“ Die entsprechenden Kontaktdaten gibt er vorbehaltlos preis:
- Mobiltelefon: 0176-57413486
- E-Mail: juergen.buecking@yahoo.com